Fahrendes Tagebuch
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Fahrendes Tagebuch

Fahrendes Tagebuch

Der Schweizer Unternehmer Daniel Iseli sammelt klassische Fahrzeuge, weil sie mit Erinnerungen verknüpft sind.

 

Daniel Iseli mit der «Queen Mary».
Daniel Iseli ist ein grosser Mann mit einer einnehmenden Präsenz. Wenn man ihn sich in einem Auto vorstellen müsste, käme am ehesten ein SUV in Frage. Aber nachdem er ein Coca-Cola Zero bestellt hat und das Gespräch sich schnell um Fahrzeuge aller Art dreht, sagt Iseli bald einmal den entscheidenden Satz zu dieser falschen Annahme: «Neue Autos sind nicht meine Welt. Sie haben zu viel Elektronik, und ich brauche keine Nanny. Ich kann selber fahren.»«Iseli Collection» heisst die kleine, feine Sammlung des Unternehmers, der erst in der holzverarbeitenden Industrie wie sein Vater, dann im Immobiliengeschäft tätig war und ist. «Es geht mir um Ästhetik und Erinnerungen», begründet Daniel Iseli seine Freude am ­Fahren und Sammeln klassischer Fahrzeuge. Jedes davon verknüpft sich mit seinem Leben, seiner Biografie, es ist eine Art fahrbares metallenes Tagebuch, das nach Benzin riecht, wenn man etwas daraus liest oder hineinschreibt.Schon als Bub hätten ihn Autos interessiert, und ein wenig handelt es sich dabei wohl um eine Art frühkindliche Prägung. «Mein Vater hat zwei Weltkriege erlebt, das Neueste war für ihn immer das Beste – Chevrolet, Oldsmobile, Ford, Cadillac waren seine bevorzugten Marken.» Den letzten ­Cadillac seines Vaters von 1978 hält Iseli ebenso in Ehren wie den Porsche 911 SC seiner Mutter. Das erste Mal am Steuer gesessen, gesteht er dann noch, habe er im Alter von sechs Jahren in Italien. «Ich war ein Lausbub, und es war eine andere Zeit», fügt der heute 69-Jährige dann noch an.

 

Welt der Flügeltüren

«Auto des Jahrhunderts»: mit dem Mercedes 300 SL von 1955 auf der alten Gotthardstrasse

Sein erstes eigenes Auto war dann ein VW Käfer, den er als Sechzehnjähriger für 300 Franken gekauft, mit etwas Lack, Farbe und Spraydosen aufgehübscht und für 900 Franken wieder verkauft habe, wie Daniel Iseli erzählt. ­Ebenso früh, wie er gelernt hat, Auto zu fahren, ist Iseli aufgefallen, dass sich hier ein inter­essantes Feld eröffnet – geschäftlich und kulturell, wenn man so will.

Als Zwanzigjähriger erwarb Iseli unter Protest seines Vaters einen Mercedes-Benz 190 SL, mit dem er, wie er heute immer noch mit Stolz erzählt, eine ganze Reihe von Wettbewerben gewonnen hat. 1984, im Alter von 29, erwarb der Sammler in spe seinen ersten SL mit Flügeltüren zum Preis von 100 000 Franken und katapultierte sich damit selbst in eine neue Liga von Auto-Enthusiasten. Auf dem Höhepunkt seiner Sammlung besass Daniel Iseli 158 klassische Fahrzeuge, mehr als sechzig davon von Mercedes-Benz. Mit dieser Marke verbindet Iseli eine besondere Nähe, vor allem die Modelle der fünfziger und sechziger Jahre haben es ihm angetan: «Zu dieser Zeit entstanden die schönsten Designs», findet Iseli und bekennt sich dazu, ein Liebhaber verchromter Autoteile zu sein.

 

Der Mercedes von Sophia Loren

Mittlerweile ist Daniel Iseli, wenn man es so nennen will, bescheidener geworden. Mit Hilfe von Sotheby’s in St. Moritz hat er 87 Fahrzeuge aus seiner Sammlung verkauft, darunter ein Fiat Multipla Ambulanz, ein Citroën DS und ein Deux Chevaux sowie mehrere Mercedes. Heute gehören dem Sammler –«Jäger bin ich keiner mehr» – noch rund vierzig Autos, die er mit Hilfe von Freelance-Mechanikern in einem perfekten Zustand hält und natürlich selber fährt. Das schönste Modell seiner «Iseli Collection», daran lässt der Besitzer keinen Zweifel, ist ein Mercedes 300 SL «Flügeltürer», der zuvor Filmstar Sophia Loren gehört hatte und den sich Daniel Iseli selbst zum 65. Geburtstag geschenkt hat. Auf der Motorhaube hat die Diva nach einer Begegnung mit Iseli höchstselbst ihre Signatur hinterlassen. «Ein fantastischer Moment», sagt er heute.

Zum Schluss, das Cola ist fast ausgetrunken, sagt Daniel Iseli noch einen bemerkenswerten Satz, der zu seinen Autos ebenso gut passt wie zu sehr vielem mehr: «Keine Generation hatte es in der ganzen Geschichte der Menschheit so schön wie wir.»

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