Das Geschäftsklima in der deutschen Chemieindustrie ist im März deutlich eingebrochen. Laut dem Ifo-Institut fiel der entsprechende Index auf minus 25,0 Punkte nach minus 16,7 im Februar. Negative Werte zeigen an, dass die Mehrheit der Unternehmen die Lage pessimistisch bewertet.
Auch die aktuelle Geschäftssituation wird deutlich schlechter eingeschätzt. Der Indikator sank von minus 21,2 auf minus 31,9 Punkte. Die Erwartungen für die kommenden Monate trübten sich ebenfalls ein und fielen von minus 12,1 auf minus 17,9 Punkte. «Die Folgen der Kriegshandlungen im Nahen Osten treffen die ohnehin angeschlagene Chemiebranche mit voller Wucht», erklärte Ifo-Expertin Anna Wolf.
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Als zentrale Belastungsfaktoren gelten hohe Energiepreise, steigende CO₂-Kosten sowie strukturelle Wettbewerbsprobleme. Insbesondere die Gaspreise liegen seit der Umstellung auf Flüssigerdgas weiterhin über dem Vorkrisenniveau. LNG ist aufgrund von Verflüssigung, Transport und Wiederaufbereitung deutlich teurer als Pipelinegas. Hinzu kommen staatliche Abgaben und Umlagen, die laut Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft BDEW rund ein Viertel des Gaspreises für Industriekunden ausmachen.
Auch der CO₂-Preis ist gestiegen. Laut BDEW erhöhte er sich von durchschnittlich 66,46 Euro pro Tonne im Jahr 2024 auf 88,52 Euro im Jahr 2026. Unternehmen müssen diese Zertifikate im Rahmen des EU-Emissionshandels erwerben. Gleichzeitig wird die Menge der verfügbaren Zertifikate reduziert, was die Preise weiter steigen lässt.
Der Verband der Chemischen Industrie warnt vor erheblichen Folgen. In einem Positionspapier heisst es: «Die Erdgaskosten der Industrie in Deutschland befinden sich auf einem untragbar hohen Niveau und gefährden die internationale Wettbewerbsfähigkeit.» Bereits 2025 lag die Kapazitätsauslastung nur noch bei 72,5 Prozent und damit deutlich unter der Rentabilitätsschwelle. Produktion und Umsatz gingen ebenfalls zurück.