In Den Haag haben am Sonntag rund 150.000 Menschen gegen den Krieg in Gaza und das Israel-nahe Kabinett der Niederlande demonstriert – deutlich mehr als beim letzten Protest vor vier Wochen. Die sogenannte Rote-Linie-Demonstration führte vom Malieveld zum Internationalen Gerichtshof beim Friedenspalast, berichtet das niederländische Onlineportal De Volkskrant. Die Protestierenden trugen rote Kleidung als Zeichen einer moralischen Grenze, die Israel ihrer Meinung nach überschritten hat.
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Die Kundgebung wurde von über neunzig Hilfs- und Menschenrechtsorganisationen unterstützt, darunter Amnesty International, Oxfam Novib, Ärzte ohne Grenzen und Save the Children. Michiel Servaes, Direktor von Oxfam, sprach von einem «Erwachen der stillen Mehrheit». Viele Menschen hätten sich bislang wegen politischen Drucks nicht öffentlich zur Gaza-Situation geäussert – das ändere sich jetzt.
Der niederländische Premierminister Dick Schoof reagierte direkt auf die Demonstration. Auf X schrieb er: «An all die Menschen in Den Haag: Wir sehen euch und wir hören euch.» Beim vorherigen Protest hatte er sich den Zorn der Aktivisten zugezogen, weil er das Jubiläum des pro-israelischen CIDI würdigte, jedoch die Demonstration ignorierte.
Auch auf der Nordseeinsel Terschelling solidarisierten sich Tausende Festivalbesucher des Open-Air-Theaters Oerol mit einer eigenen «roten Linie». Die niederländische Polizei machte keine Angaben zur Teilnehmerzahl.