Vietnam kommt von 46 Prozent im April auf jetzt noch 20 Prozent US-Zollstrafe herunter. Die Schweiz? Von 31 auf 39 Prozent hoch.
Dabei wollte Finanzministerin Karin Keller-Sutter doch den direkten Draht zu Amerikas Präsidenten Donald Trump gefunden haben.
Eine Pleite der Extraklasse. Die Schweiz, zero points.
Das Vorzeigeland im Alpendistrikt kriegt die volle Härte aus D. C. zu spüren. Fertig Extrawurst für die schlauen Bauern, Bankern und «Drug»-Dealer.
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Die Folgen sind unabsehbar. Klar ist eines: Die Schweiz zahlt mehr als alle anderen.
Die EU kommt mit 15 Prozent um Welten besser weg, gleich gut wie die zentralen Exportnationen in Fernost, Japan und Südkorea.
Nur Brasilien hat Trump mit 50 Prozent einen noch schlechteren Deal aufgedrückt. Wobei 40 Prozent davon ein Lula-Extramalus sind.
Zwei Dinge sind entscheidend. Erstens hat die Schweizer Diplomatie versagt.
Unsere Berner Koryphäen mit den Finanz-, Pharma- und Agrarlobbys im Schlepptau haben Trump komplett unterschätzt.
Ihren Einschätzungen sollte man in Zukunft misstrauen: Eine derart sträfliche Missinterpretation aller Signale ist historisch.
Zweitens muss der 1. August 2025 als Rückbesinnung auf die alten Tugenden in die Annalen eingehen.
Die Schweiz hat sich über ein Jahrhundert lang zum Eldorado der Wirtschaft eines Old Europe gemausert, nicht durch Deals, sondern durch Aufstehen und Arbeiten.
Ärmel hochkrempeln, in die Hände spucken, leisten statt jammern, schlau und innovativ sein, sich neue Partner und Verkaufsmärkte für die eigenen Produkte und Leistungen suchen.
So die Losung. Bye-bye Amerika: Die US-Abhängigkeit hat in die Sackgasse geführt.
Dass sie jetzt halt durch Trump beendet wird – so what. Hoffen auf eine zukünftige Regierung im Weissen Haus hilft nicht weiter.
Sondern Schweiss, Tränen und Einsatz werden nötig sein, um sich aus dem Loch herauszuschaffen. Vor allem die Maschinenindustrie wird leiden.
Ausgerechnet die, die am wenigsten für die Misere kann. Novartis, UBS und die Agrarlobby sind schuld, dass wir keinen Deal bekommen haben.
Sie sind auch jene Branchen, welche die Schweiz immer wieder erpressbar machen. Sie müssen selber schauen, jetzt die Novartis, die zwei Monate Ultimatum von Trump erhalten hat.
Um die Preise brutal zu senken.
Als Nächstes die UBS, die in Übersee wieder einmal ihr Glück versucht. Soll sie, nur nicht mit dem Gratis-Backup des Steuerzahlers.
Wo die Schweiz Trümpfe hat, ist in der Technologie.
Software lautet das Schlagwort. Voll auf Open Source setzen und sich so aus der Umklammerung von US-Technologie von Microsoft und Co. lösen.
Wozu schenken wir der ETH Milliarden jedes Jahr?
Sodann aufrüsten, statt mit F-35 mit europäischen Waffen oder solchen aus Drittstaaten, zusammen mit Fertigung im Inland.
Schliesslich mit China und weiteren Fernost-Ländern günstige Handelsabkommen schliessen.
Das alles braucht Vertrauen ins eigene Können. Und ein Blick über den Tellerrand hinaus. Das Militär als revitalisierte Karriere- und Kultur-Schule kann eine Rolle spielen.
Früher erkannten unsere Offiziere Gefahren am Horizont. Heute spielen die Generäle Cyber-Games.
Noch wichtiger werden Schweizer Nachwuchstalente sein, die hungrig Ideen und Wissen aus dem Ausland in die Eidgenossenschaft bringen und hier Grosses versuchen.
Schon in fünf Jahren könnte die Welt für die Schweiz anders aussehen. In zehn Jahren sollte das Land wieder stärker auf eigenen Beinen stehen.
Dann würde es zurückschauen auf den Nationalfeiertag des Jahres 2025 und sagen können: Der wake-up call von crazy Donald kam im richtigen Moment.
Lukas Hässig gehört zu den renommiertesten Wirtschaftsjournalisten des Landes. Zudem hat er mehrere Sachbücher verfasst. Er ist Herausgeber und Betreiber von Inside Paradeplatz, dem legendärsten Finanzblog der Schweiz. Wir danken Lukas Hässig für die freundliche Genehmigung zum Nachdruck dieses Artikels, er erschien zuerst auf Inside Paradeplatz.