Abgrundtiefer Schmerz: Israel weint um die Familie Bibas
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Abgrundtiefer Schmerz: Israel weint um die Familie Bibas

Israel befindet sich in tiefer Trauer.

Tausende nahmen am Mittwochmorgen Abschied von der Familie Bibas und säumten die Strassen entlang der Prozession, die vom Zentrum Israels zum rund hundert Kilometer entfernten Friedhof Tzohar führt, der nur wenig Kilometer von Gaza entfernt ist.

Dort wurden Shiri Bibas und ihre beiden Kleinkinder beerdigt. Viele weinten, anderen sangen schluchzend die Nationalhymne oder standen still und in sich gekehrt am Strassenrand, während die schwarzen Limousinen mit den drei Toten in einem langsamen Tempo an ihnen vorbeifuhren.

ABIR SULTAN / KEYSTONE
epa11925189 epa11925078 People gather at Hostages Square to watch a live stream of the funeral of the Bibas family, in Tel Aviv, Israel, 26 February 2025
ABIR SULTAN / KEYSTONE

Nie seit der Beerdigung des ermordeten Premierministers Jitzhak Rabin vor dreissig Jahren hat es in Israel eine derartig überwältigende Anteilnahme gegeben. Im Vorfeld der Beisetzung wurden nationale Wahrzeichen, darunter die Knesset, in orangefarbenes Licht getaucht– als Symbol für die Haarfarbe der Kinder der Familie.

Die Familie Bibas steht stellvertretend für die Tragödie des 7. Oktober 2023 und die brutale Gewalt des Hamas-Angriffs. 1200 Menschen wurden an jenem schwarzen Samstag ermordet, 251 wurden in den Gazastreifen entführt und grausam misshandelt. Auch nach mehr als 500 Tagen sind noch 63 Menschen nicht zurückgekehrt.

Besonders erschütternd ist das Schicksal des kleinen Kfir, der mit nur neun Monaten das jüngste Opfer der Terrororganisation wurde. Die Entführung von Kfir und seiner Familie, die von Terroristen gefilmt wurde, dokumentiert die Brutalität dieses Verbrechens.

In den erschütternden Aufnahmen sieht man, wie die Mutter Shiri verzweifelt versucht, ihre Kinder zu schützen. Ihre Angst und Entschlossenheit sowie die schützende Haltung ihrer Arme um ihre Söhne sind deutlich erkennbar und lassen ihre abgrundtiefe Angst erkennen. Die Videos zeigen, wie die Mutter mit ihren beiden Kindern von maskierten Hamas-Kämpfern umzingelt und gewaltsam verschleppt wird.

Die fürchterlichen Szenen machten die Familie Bibas zu einem Symbol für die Brutalität des Hamas-Angriffs.

Der Vater, Jarden Bibas, wurde ebenfalls gefangen und in den Gazastreifen verschleppt. Im November 2023 behauptete die Hamas, dass die Familie bei einem israelischen Luftangriff ums Leben gekommen sei, was sich später aber als Lüge herausstellte.

Jarden wurde nach 484 Tagen Gefangenschaft am 1. Februar 2024 freigelassen. Doch das Schicksal von Shiri und ihren Söhnen blieb zunächst ungewiss.

Erst am 18. Februar 2024 gab ein Hamas-Sprecher bekannt, dass die Leichen von Shiri und ihren Kindern am 20. Februar freigegeben würden. Die Hamas übergab zunächst aber die Leiche einer anonymen Frau und «fand» erst wenige Stunden später die sterblichen Überreste von Shiri.

Ermittlungen in Israel ergaben, dass Ariel und Kfir bereits im November 2023, also wenige Wochen nach der Entführung, von den Terroristen mit «blossen Händen» ermordet wurden.

Die Familie Bibas übte scharfe Kritik an Premierminister Benjamin Netanjahu für dessen Umgang mit ihrer Situation. Sie warf ihm nicht nur vor, sie in der Gefangenschaft im Stich gelassen zu haben, sondern auch, dass er entgegen dem ausdrücklichen Wunsch der Angehörigen grafische Details über die Morde an Shiri, Ariel und Kfir veröffentlicht hat.

Netanjahus Vorgehen wurde von den Angehörigen als «Missbrauch einer Familie, die sechzehn Monate lang durch die Hölle gegangen ist» gebrandmarkt. Sie schickten ein Unterlassungsschreiben an das Büro des Premierministers und forderten, keine weiteren Details über die Morde zu veröffentlichen. Die Familie lehnte es zudem ausdrücklich ab, dass israelische Regierungsvertreter an der Beerdigung von Shiri und ihren Söhnen teilnahmen.

Diese Reaktion verdeutlicht die tiefe Kluft zwischen der Familie Bibas und der israelischen Regierung, insbesondere Netanjahu, im Anschluss an diese Tragödie. Die Entscheidung, Netanjahu nicht einzuladen, ist mehr als eine persönliche Geste – sie ist ein politisches Statement.

Sie zeigt, dass Teile der israelischen Gesellschaft, insbesondere betroffene Familien, das Vertrauen in seine Führung verloren haben. Angesichts der wachsenden Unzufriedenheit könnte dies langfristig auch politische Konsequenzen für ihn haben.

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