Grossbritannien und die EU haben sich auf einen weitreichenden Neustart ihrer Beziehungen nach dem Brexit geeinigt. Das in London vorgestellte Abkommen – für das mit Kommissions-Präsidentin Ursula von der Leyen und Ratspräsident António Costa erstmals wieder die EU-Spitze angereist war – umfasst unter anderem eine engere Zusammenarbeit in den Bereichen Sicherheit, Verteidigung und Agrarhandel. Premierminister Keir Starmer bezifferte den wirtschaftlichen Nutzen für Grossbritannien auf rund neun Milliarden Pfund, ein britischer Beamter sprach von einem «Durchbruch».
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Im Gegenzug für Erleichterungen beim Export britischer Lebensmittel nach Europa räumt London der EU einen umstrittenen Bonus ein: EU-Fischer dürfen weitere zwölf Jahre in britischen Gewässern fischen. Die Zugeständnisse in der Fischereipolitik stossen bei konservativen Politikern und Branchenvertretern auf scharfe Kritik. Kemi Badenoch, Vorsitzende der Konservativen Partei, nannte das Abkommen «sehr bedenklich», während die schottische Fischereiverbandchefin Elspeth Macdonald von einem «Horrorszenario» sprach.
Starmer verteidigte den Deal laut Financial Times als «vernünftige und praktische Lösung» und betonte den Schritt hin zu einer neuen Partnerschaft zwischen einem unabhängigen Vereinigten Königreich und seinen europäischen Verbündeten. Teil des Pakets ist auch ein Plan zur Verknüpfung der Emissionshandels-Systeme beider Seiten sowie die Möglichkeit für britische Verteidigungsunternehmen, Zugang zu einem EU-Rüstungsfonds in Höhe von 150 Milliarden Euro zu erhalten.
Zudem sollen britische Urlauber künftig schneller mit E-Pässen in die EU einreisen können. Fortschritte gab es auch bei der Diskussion um ein Jugendmobilitäts-Abkommen – inklusive einer möglichen Rückkehr zum Erasmus-Programm.