Absturz der globalen Schein-Elite
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Absturz der globalen Schein-Elite

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Absturz der globalen Schein-Elite
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Ach, Jeffrey Epstein – dieser Name klingt wie ein schlechter Witz aus einem Spionagethriller, der sich als bitterer Kommentar zur Realität entpuppt. Stellen Sie sich vor: Ein Finanzzauberer, der mit Privatjets und Karibikinseln jongliert, umringt von Präsidenten, Prinzen und Philanthropen, die alle so tun, als wären sie die Wächter der Weltmoral. Und dann? Peng! Der Vorhang fällt, und was zum Vorschein kommt, ist ein Netzwerk aus Heuchelei, in dem, tief drin, die internationale Elite der letzten Jahrzehnte hängt und zappelt.

Illustration: Fernando Vicente
Absturz der globalen Schein-Elite
Illustration: Fernando Vicente

Epstein ist nicht nur ein Skandal; er ist der Spiegel, in dem sich der Zusammenbruch der abgehobenen Globalisten offenbart – jener polyglotten Überflieger, die auf Konferenzen wie dem World Economic Forum (WEF) von Davos oder in den Teppichetagen internationaler Tagungen auf die Leute herunterpredigen, während sie selber, wie wir sehen, knietief im Morast waten.

Lassen Sie uns ehrlich sein: Der Fall Epstein ist ein Fest für Zyniker. Da haben wir all diese Gutmenschen, die uns jahrelang belehrt haben. Nehmen wir Bill Gates, den Mr. Nice Guy der Philanthropie, der Milliarden für die Weltrettung ausgibt – und gleichzeitig ein Doppelleben führt, enge Bande zu Epstein knüpft. Dort, wo die Moral am hellsten glänzt und blendet, liegt oft ein Haufen Dreck versteckt.

Aber Gates, dessen unternehmerische Brillanz eine unbestrittene Tatsache bleibt, ist kein Einzelfall. Ausgerechnet die Clintons, das durch viele Stromschnellen geschleuderte Politpaar aus dem Justemilieu, muss sich nun wegen Epstein vor einem Komitee erklären. Was haben Bill und Hillary nicht moralisiert und gezetert gegen den präsidialen Quereinsteiger Trump, der zwar auch kein Heiliger ist, aber im Unterschied zu den beiden und ihrer Epstein-Truppe auch nie so tat. Merke: Gutmenschen sind nicht gute Menschen, sie wollen nur so scheinen.

Fast lustig wird es bei den Norwegern mit all ihren politischen Vorzeigemoralisten, eigentlichen Spezialisten des tugendhaften Scheins. Thorbjørn Jagland, ehemaliger norwegischer Premierminister, Vorsitzender des Nobelkomitees und Generalsekretär des Europarats, der als «Mr. Human Rights» firmiert: Er tauschte E-Mails mit Epstein aus, liess sich Reisen und sogar Arztbesuche finanzieren. Nun steht er unter Anklage wegen «grober Korruption». Jagland versprach Epstein Einfluss, inklusive einer möglichen Einführung zu Wladimir Putin, und nannte ihn «Nobel Peace big shot».

Dazu Kronprinzessin Mette-Marit, die Hunderte intimer Nachrichten dem angeblichen Frauenversteher Epstein anvertraute, und Børge Brende, Chef des WEF, der mehrmals mit ihm dinierte, textete, hinterher vieles abstritt und schliesslich über seine eigenen widersprüchlichen Unwahrheiten stürzte. Sogar Diplomaten wie Mona Juul und Terje Rød-Larsen, Architekten der Oslo-Abkommen, sind verwickelt. Norwegen, das Land der Friedensnobelpreise, entpuppt sich als Hotspot der Epstein-Verbindungen – ein Meilenstein in der Weltgeschichte der Ironie.

Natürlich gibt’s hier auch viel Vorverurteilung. Kontaktschuld ist noch keine Schuld, schon gar kein Verbrechen. Nicht jeder, der Epstein kannte, ist ein Krimineller, sicher nicht. Aber man kann sich eine gewisse Schadenfreude nicht verkneifen. Geschieht ihnen recht, diesen Aposteln der Moral! Sie warnten uns vor «Populisten» und «Nationalisten», während sie selbst in einem Filz aus Geld, Sex und Korruption steckten. Der Epstein-Fall entlarvt sie als Schwindler.

Diese Elite – oder muss man sagen: Scheinelite? – pilgerte um den Globus, die Welt von oben fernzusteuern, hochgestimmte Technokraten, stets belehrend und abgehoben, überheblich gegenüber dem «Volk», dem man nichts zutraut, sich selber aber alles. Mit der Epstein-Clique verlieren aber auch deren Umlaufstationen an Glanz. EU, Uno oder WEF, die Bastionen des Internationalismus. Darin glaubten die Epstein-Jünger und ihr Fanklub in den Medien die Zukunft der Politik zu sehen, die moralische Erdachse, um die sich alles drehen soll.

Zum Glück bricht das jetzt alles ein. Es war auch ein Missbrauch, eine Überforderung der hehren Einrichtungen. Nichts gegen die Uno, die aus der Erfahrung zweier Weltkriege entstanden ist. Nichts gegen den Versuch, die Wildnis der Nationalstaaten mit zwischenstaatlichen Regeln einzuhegen. Doch wie alles, was der Mensch in die Hand nimmt, hat man es auch damit übertrieben.

Besonders die EU ging zu weit in ihrem Kreuzzug gegen alles Nationale, gegen das Gewachsene, das überschaubar Bodenständige. Als Reaktion auf die Abgehobenheit der Internationalisten und als Folge des Scheiterns, der demokratiegefährdenden Bürgerferne auch der internationalen Gremien meldet sich nun der Nationalstaat zurück. Bannerträger dieses Comebacks ist US-Präsident Trump mit seiner Parole «America first».

Das Grounding Epsteins und seiner Freunde passt so gesehen perfekt zum neuen Zeitgeist, zum wachsenden Unbehagen am politischen Internationalismus, an der Ideologie des «Globalismus». Darunter ist die Herrschaft nicht mehr des Bürgers im Rahmen des nationalen Rechtsstaats gemeint, sondern dessen Ersetzung durch einen Überbau, durch ein Gestell internationaler Behörden und einer Elite von Gesalbten, die über die Köpfe der Leute hinwegregieren, eine moderne Variante von Platons Philosophenstaat gewissermassen, nur war das Personal, das der grosse griechische Denker vor Augen hatte, wohl entschieden intelligenter.

Muss man jetzt Angst haben, dass mit Trump und der von ihm angeführten Truppe der kriegerische Nationalismus des 20. Jahrhunderts zurückkehrt? Nein. Es ist kein Umschlag vom einen ins andere Gegenteil, eher die überfällige Korrektur eines Missstands. Weg vom Abgehobenen, Technokratischen, Grossräumig-Konstruierten, hin zum Überschaubaren, Bodenständigen. Die Völker wollen nicht mehr von einer selbsternannten Elite gegängelt werden, die in Privatjets fliegt und Moral predigt, während sie im eigenen Sumpf versinkt.

Epstein symbolisiert diese Wende: Sein Netzwerk, dieser klebrige Filz aus Politik, Geld und Scheinmoral, steht für den Bedeutungsverlust der internationalen Institutionen. Die Akten entlarven nicht nur Missbrauch, sondern ein System, das sich schützt, wenn es bedroht ist, und versagt, wenn man es entlarvt. Es ist, als würde die Globalisierung ihre eigene Satire schreiben – amüsant, wenn’s nicht so traurig wäre. Am Ende bleibt die Frage: Wer rettet uns vor den Rettern? Vielleicht einfach: das Volk, das allmählich aufwacht.

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