Der Historiker und Publizist Rainer Zitelmann gerät ins Visier des Verfassungsschutzes und der Polizeibehörden. Der Vorwurf: Die angebliche Verbreitung von «Nazisymbolen». Wer Zitelmann kennt, weiss, dass er als Historiker sein Leben lang die Mechanismen totalitärer Systeme analysiert hat. Dass er nun wegen eines Posts, in dem er kritische Vergleiche zieht, kriminalisiert wird, führt die aktuelle Rechtsprechung ad absurdum.
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Wenn die blosse Abbildung geschichtlicher Realität oder polemische Vergleiche in den sozialen Medien ausreichen, um Ermittlungsverfahren einzuleiten, müsste man konsequenterweise ganze Bibliotheken und Archivbestände des Spiegel einstampfen. Dieses Magazin hat über Jahrzehnte seine Auflagen mit detaillierten Hitler-Geschichten und Uniform-Abbildungen generiert.
Auch wenn man Zitelmanns inhaltliche Gleichsetzung von Putin und Hitler als bescheuert oder historisch unwürdig ablehnen mag, so ist es doch sein gutes Recht, diese Meinung zu äussern. Dass der Staat hier mit der Keule des Verfassungsschutzes antwortet, zeigt eine beängstigende Verengung des Debattenraums und eine institutionalisierte Humorlosigkeit, die vor der Freiheit von Forschung und Lehre nicht mehr Halt macht. Ein Alarmsignal für die Meinungsfreiheit.
