Es ist Donnerstag, 11. Dezember, guten Morgen, herzlich willkommen im Adventskalender. Gustav Klimt verdanken wir eines der weltweit berühmtesten Jugendstil-Gemälde, der Kuss, gemalt 1908 und zu bestaunen in Wien in der österreichischen Galerie Belvedere. Ein Bild wie ein Goldregen. Eine glitzernde, funkelnde Hommage an die Liebe. Dicht aneinandergeschmiegt, innig verschlungen, das Liebespaar. Nichts zählt hier, ausser der Augenblick, ausser der Geliebte, nichts ausser die Liebe selbst. Kunstkritiker entdecken in diesem Bild eine vibrierende, raffinierte Sinnlichkeit, etwas naturverbundenes, allheitliches, kosmogonisches. Nun, das ist vielleicht ein bisschen gar blumig ausgedrückt, aber ja, einen Blumenteppich hat Klimt ja auch hingemalt. «Die Frau kniet, der Mann beugt sich über sie, umfasst ihr Gesicht, sie zieht ihn an sich, er küsst sie innig.» «Fast eine Gloriole», hat der Maler hier um die beiden Gesichter herumgemalt, «fast ein Heiligenschein». Als wollte er sagen, schaut, das ist die Liebe. Und die Liebe ist heilig, denn sie ist unendlich und unvergänglich. Nun, Klimt selbst hat ein bisschen anders gelebt. Er hatte sieben Kinder von verschiedenen Frauen und geheiratet hat er nie. Geliebt hat er ganz offensichtlich. Aber unvergänglich und unendlich, ewig war seine Liebe gewiss nicht. Und eigentlich wissen wir das alle, ewige Liebe ist eher selten. Wer die Pubertät hinter sich gelassen hat, kann davon ein Liebeslied singen, ein eher trauriges meistens. Liebe kommt und Liebe geht, ewig ist sie nicht, jedenfalls nicht so wie hier auf dem Bild. Irgendwann müssen doch dann beide wieder aufstehen, sich die Kleider abwischen und hinaustreten hinaus aus Klimts wunderbarer Traumwelt. Trotzdem, die erste Liebe, einmal war sie vielleicht auch bei dir wie hier bei Klimt, nämlich goldig und blumig, ohne Pflichten, ohne Ablenkung, ohne Zeitbewusstsein, einfach das ganz grosse Glück der Jugend. Sei ehrlich, erkennst du dich nicht irgendwie wieder in einem der beiden Verliebten hier? Warst du nicht auch so jung, verliebt und unendlich glücklich? Und darum der heutige Tagestipp. Erinnere dich an deine erste Liebe. Freue dich, dass es sie gab. Freue dich, dass du meintest, sie sei tatsächlich ewig. Was für ein einzigartiges Gefühl, was für ein Geschenk, wie auch immer sie endete, was auch immer danach kam, die erste Liebe kann dir niemand mehr wegnehmen. Sie bleibt dir für immer und sie ist so gesehen ewig. Soviel für heute. Morgen ein neues Bild, ein neues Thema und morgen wird der Film weitgehend stumm. Denn morgen besuchen wir einen Mann, dessen Statue er hat einen wunderbaren Blick hinaus auf den Genfersee. Bis dann, alles Gute, einen goldigen Tag und auf Wiedersehen.