Weihnachten ist Wenn einem ein Licht aufgeht. Dieses Licht ist der Mensch Jesus, genannt Christus. Und dieser Christus ist der Heiland, weil er heilt. Das ist eigentlich schon alles, mehr muss man nicht wissen. Aber man kann. Zum Beispiel durch einen Blick auf das Christkind. Das leuchtet den Stall von Bethlehem mit seinem Glühkörper geradezu flächendeckend aus. Stilistisch ist das Gemälde aus dem 15. Jahrhundert gewöhnungsbedürftig, aber theologisch ist es perfekt. Das Licht, das uns aufgeht, strahlt aus dem Kind in der Krippe. Hier liegt ein einfacher Mensch, geboren in armseligen Verhältnissen, unter unhygienischen Umständen, mit zweifelhafter Zukunft. Aber dieser Mensch, ein leuchtender Säugling sozusagen, dieser Mensch ist unser ganzes Licht, das Licht der Welt. Das Bild ist intelligente Kunst, lange vor künstlicher Intelligenz. Was so fromm klingt, ist doch eine politische Kampfansage. Das Kind in der Krippe ist unser einziges Licht, sagen die Christen. Wir glauben nur an Christus. Da sind Konflikte unausweichlich. Denn wo immer eine selbsternannte Lichtgestalt im eigenen Glanz badet, Da dreht ihm früher oder später ein Christ das Rampenlicht ab und versagt ihm die geforderte Anbetung. Was dann geschieht, steht in den Geschichtsbüchern. Von Nero in Rom bis Kim Jong-un in Nordkorea. Diktatoren ertragen kein Christusglauben. Die Blutbäder, die sie hinterlassen, zeugen vom Hass. Auf die, welche vor niemandem in die Knie gehen, ausser vor dem Kind in der Krippe. Aber alle Tyrannengewalt hilft nichts. In jeder Christenverfolgung keimen schon die Märtyrer von morgen. Kultur-Campe sind zwar nicht vergleichbar, aber toben tun auch sie bei uns im Westen spätestens seit der Aufklärung. Die heisst auf Englisch nicht zufällig «Enlightenment». Auch die Aufklärung liebt Lichtmetaphorik. Nur ihr Licht strahlt diametral anders. Es strahlt nicht aus einer Krippe von damals. «Sondern aus meinem Verstand von heute», sagt der Aufgeklärte. Cogito ergo sum. Das wahre Licht ist die Vernunft. Nicht so. Das wahre Licht bin ich, widerspricht Christus. Und zugleich auch noch der Weg, die Wahrheit und das Leben. Falls das nicht klar genug war. Der Clash ist unausweichlich. Auch wenn die Gebildetsten unter den Verächtern der Religion versuchen, eine Versöhnung herbeizureden. Sicher. Es gibt viele, gerade im Bildungsbürgertum, die verstehen sich als aufgeklärte Christen. Sie bewegen sich gerne im Kulturprotestantismus oder schwelgen in der Ästhetik der Messliturgie. Aber dem Christkind begegnen sie eher mitleidig als kniend. Je älter ich nun werde, desto unsteter zeigt sich mir das Licht der Vernunft. Mein eigenes natürlich besonders, aber auch dasjenige der Aufklärung. Zu viele Geistesblitze enden als Irrlichter. Zu viele Stars am Himmel der denkenden Elite entpuppen sich doch als Sternschnuppen der intellektuellen Selbstüberschätzung. Das Licht unserer Vernunft strahlt weniger klar, als wir uns einbilden. Wer will, der entdeckt in diesem voraufgeklärten Gemälde des niederländischen Meisters den Gegenentwurf. Denn das Bild erinnert daran, was Christen erst zu Christen macht. Dass sie an Christus glauben. Nur an Christus, Solus Christus. An keine Theorie, keine Ideologie, keinen Ismus. Sie glauben überhaupt nicht an etwas, sondern an jemanden. Das ist der grosse und entscheidende Unterschied. Christen glauben an eine Person, an ein Du. Und dieses Du ist seit zwei Tagen. Jahrhunderts dasselbe. Solche Konstanz stärkt das geistliche Immunsystem hervorragend für den Kontakt mit immer neuen, fiebrigen Erleuchtungen und Erleuchteten. Freilich, die Strahlkraft des Christusglaubens geht gerade unter im postmodernen Blitzlichtgewitter, jedenfalls bei uns im Westen. Eine Trendwende ist bis auf Weiteres unrealistisch. Zu schwach flackert das Flemmlein des hiesigen Christentums. Und die Zeitgeist-Profiteure haben wenig Interesse am immer gleichen Heiland, gestern, heute und in Ewigkeit. Ihr Geschäftsmodell lebt ja gerade davon, dass ständig neue Wahrheiten viral gehen. Und doch einen echten Christgläubigen lässt das kalt wie Neonlicht. Weihnachten bezieht seine Bedeutung nicht aus dem Zuspruch, schon gar nicht aus dem Medialen. Noch ist nicht aller Tage Heiligabend. Werfen wir einen zweitletzten Blick aufs Gemälde. Über dem Säugling tanzen filigrane Strahlen. Unklar ist, verlaufen sie von unten nach oben oder doch von oben nach unten. Strahlt der Säugling Licht aus oder nimmt er Licht auf? Der Maler lässt das offen, weil beides stimmt. Christus empfängt und verschenkt göttliches Licht. Die Kraft des Menschensohns ist identisch mit der Kraft seines himmlischen Vaters. Das unterscheidet diesen einen Menschen von allen anderen Menschen. Licht vom Licht nennt ihn die geniale Kurzformel im nizänischen Glaubensbekenntnis Aus dem Jahr 325. Licht vom Licht. Wie wollte man schöner oder knapper sagen, was Weihnachten bedeutet? Ein letzter Blick aufs Bild. An bester Lage, unmittelbar beim Christkind, da ist nichts. Ein Leerraum, eine Vakanz. Der Maler lässt bewusst einen Platz frei. Sein Bild ist die gemalte Einladung an den Betrachter, nicht länger nur Betrachter zu sein. Wer das Licht von Weihnachten erleben will, der muss selbst zur Krippe kommen. Vielleicht wie der Ochse im Hintergrund, naiv und gutmütig, vielleicht skeptisch und zögerlich. Aber das Licht von Weihnachten strahlt nur hier. Und ein Platz an der Krippe bleibt immer frei. Eingeladen ist jeder. «Ich lag in tiefster Todesnacht. Du warst meine Sonne», dichtete der grosse Paul Gerhardt. Und von dieser Sonne erzählen Menschen in allen Jahrhunderten und in allen Ländern der Welt. Ob es diese Sonne, dieses Licht von Weihnachten, wirklich gibt? Das findet nur heraus, wer selbst zur Krippe kommt. Denn wenn es irgendwo einleuchtet, Dann dort. Liebe Adventskalender-Community, der Advent ist zu Ende und unser Kalender damit auch. Mit Ausnahme von einem Bild, Sie finden es oben im Stern bei der Jahrzahl 2026. An Neujahr gibt es noch einmal ein Kalenderbild. Bis dann. Alles Gute! Ihnen, Ihren Familien und Ihren Angehörigen wünschen wir von Bern aus in die ganze Welt ein fröhliches, glückliches und friedliches Weihnachtsfest. Frohe Weihnachten!