Es ist Samstag, 6. Dezember. Guten Morgen, herzlich willkommen im Adventskalender. Heute ist Nikolaustag. Gefeiert wird Nikolaus. Eine weltberühmte Gestalt aus dem 4. Jahrhundert. Diesmal aber eine historisch gesicherte Figur, nicht wie die Barbara, die wir vorgestern am Barbaratag im Adventskalender zu Gast hatten. Nikolaus lebte in Myra, an der Südküste der heutigen Türkei. Und schon zu Lebzeiten wurde er verehrt als grosszügiger und selbstloser Mann. Wo immer Menschen in Not waren, da half er, und zwar handfest, wenn nötig auch mit Geld. Nikolaus war so beliebt, dass ihn Menschen zu ihrem Bischof zum geistlichen und sozialen Oberhaupt machten. Und auch nach seinem Tode wurde er verehrt. Bis heute feiert man rund um den Globus am 6. Dezember den Nikolaustag. Samichlaus heisst er in der Schweiz, eine Verkürzung von Sankt Nikolaus. Der zog durch die dunklen Strassen, verkleidet als Bischof mit einer Mieter auf dem Kopf und immer begleitet von seinem treuen Helfer, dem Knecht Rupprecht, in der Schweiz liebevoll Schmutzli genannt. In Österreich gibt es dann noch den Krampus. Aber der hat einen anderen, eher dämonischen Charakter. Nikolaus klingelte dann bei jungen Familien und öffnete sein dickes Buch und darin standen allerlei gute und weniger gute Taten, die die Kinder im vergangenen Jahr begangen hatten. Das Ganze war ein pädagogisch nicht über alle Zweifel erhabenes Ritual, das wir als Kinder aber doch liebten und auch ein bisschen fürchteten. Heute ist ja das jährliche Gruseln auf Halloween verschoben worden, am 31. Oktober. Früher hat's am Nikolaustag am Abend statt. stattgefunden. Geh doch einfach heute Abend spazieren, wer weiss, vielleicht begegnest du ihm, wenn er unterwegs ist, zusammen mit dem Schmutzli. Wo du ihm aber mit Sicherheit begegnest? In der Bäckerei. Als Gritti Benz oder Grätima, je nach Region. Das ist ein kleines Männchen aus süssem Brotteig. Benz ist ein Männerkosename und Gritti ist Dialekt und vermutlich verwandt mit dem Wort Gritten, das ist Mittelhochdeutsch und heisst Spreizen. Die Hitze im Backofen. spreizt diesem Brotteigmännchen eben alle Glieder ab. Steckt also im Kritibenz ein kleiner Samichlaus? Die christliche Tradition hat das so gedeutet. Die Brotfiguren erinnern an den grossen Bischof aus dem 4. Jahrhundert. Aber vielleicht ist alles viel profaner. Jetzt wird es Winter, die Tage werden kalt und kurz. Was gibt's da Besseres als eine süße Überraschung? Ein Smiley mit zwei Beinen, aus duftendem Weissmehl mit viel Zucker drin. Wer heute einen Kritibenz verschenkt, verschenkt Freude. Und wer Freude verschenkt, erinnert uns alle daran, wie wichtig das ist, grosszügig sein. Grosszügig sein, das macht dich liebenswürdig viel mehr als alles andere. Das macht, dass man gerne an dich denkt, das macht, dass man gut über dich spricht und das macht dann auch einmal, dass man sich gerne an dich erinnert. Nichts macht dich so sympathisch wie die Grosszügigkeit. Darum der Tagestipp, sei grosszügig. Sei grosszügig im Schenken. Verteile, was du hast, ganz materiell. Verteile auch viel Lob. Sei grosszügig mit guten Worten für andere. Sei auch grosszügig gegenüber anderen im Denken. Sieh immer das Gute, das Positive in dem, was anderen wichtig ist. Und schliesslich, sei auch grosszügig mit denen, die sich an dir verschuldet haben. Sei nicht nachtragend. Vergib ihnen ihre Schuld. Soviel für heute. Morgen ein neues Bild, ein neues Thema. Morgen geht es um etwas, das du auf keinen Fall vor die Säue werfen darfst. Bis dann, alles Gute. Einen grosszügigen Tag und auf Wiedersehen. Musik