AfD-Chefin Alice Weidel hat ihre Truppe zurückgepfiffen, nachdem ein paar ihrer Parteifreunde beim Versuch, das Verhältnis zu Moskau zu definieren, Anbiederung an Putin mit gesundem Menschenverstand verwechselt haben. Deren Reise nach Russland sieht sie kritisch: «Ich selbst würde dort nicht hinreisen … Ich weiss nicht, was letztlich das Ergebnis sein soll.»
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Das ist bemerkenswert. Denn auch Weidel, sonst die Glasklare unter den 1deutschen Politikern, gerät ins Taktieren. Sie laviert zwischen zwei Welten: Hier die Partei, deren Basis sich nach einer starken Hand sehnt – die sie wahlweise in Moskau, Budapest oder in der eigenen Chatgruppe sucht. Dort die Aussicht auf Macht – und die leise Erkenntnis, dass man die in Deutschland nur bekommt, wenn man nicht völlig unberührbar bleibt.
Weidel will Staatsfrau sein, ohne die Rebellin zu verraten. Sie will Distanz zu Putin, ohne Russland zum Feind zu erklären. Sie will deutsche Interessen vertreten, ohne gleich als Kreml-Agentin zu gelten. Sie entwirft eine Choreografie zwischen Anpassung und Provokation. In einer Partei, in der viele lieber den Schulterschluss mit Moskau suchen als mit der Realität, ist das vielleicht schon Staatskunst.