Der frühere Verteidigungs- und Finanzminister, alt Bundesrat Kaspar Villiger, hat wieder zur Feder gegriffen. Und wie schon in früheren Beiträgen, die er in seiner Hauspostille NZZ veröffentlicht hat, kann man auch aus seinem aktuellen Elaborat eine andere Erzählung herauslesen als jene, die uns der einstige FDP-Magistrat eigentlich auftischen wollte.
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Es ist noch nicht so lange her, da warnte Villiger vor einer militärischen Niederlage der Ukraine. Wenn die Russische Föderation den Krieg gewinne, würde dies «Putins Hunger nach noch mehr beflügeln», schrieb er vor nicht allzu langer Zeit. Dabei zählte er mögliche Angriffsziele in der Schweiz auf – wie zum Beispiel die internationale Stromdrehscheibe in Laufenburg.
Also wenn sich potenzielle Attentäter nicht sicher waren, wo man lebensnotwendige Infrastrukturen lahmlegen könnte, die den Westen insgesamt treffen, wissen sie es spätestens, seit Villiger die Schwachstellen offenlegte.
Diesmal knöpft sich der Ex-Magistrat die Europäische Union vor. «Europa steht vor einer Wegscheide», so der Titel seines aktuellen Artikels in der NZZ. Villiger zeigt anhand von fünf Punkten auf, wo die EU tatsächlich krankt und reformiert werden muss, damit sie weltweit ein einflussreicher Akteur werden kann. Für den Luzerner ist die EU eine eindrückliche Erfolgsgeschichte, die zurzeit vor einem komplexen Knäuel enormer Herausforderungen stehe. Unnötig zu sagen, dass er die «Bilateralen III» einen Segen findet.
Mit seiner Analyse liefert Villiger aber ungewollt auch eine Vielzahl an Argumenten, weshalb die Schweiz nicht näher an Brüssel heranrücken sollte. Handlungsunfähigkeit bei internationalen Krisen, heillose Überschuldung vieler EU-Länder, jede Menge Handelshemmnisse zwischen den Mitgliedstaaten, Überregulierungen, Fehlendes Vertrauen der Bürger in die Brüsseler Kommissare – das alles sind von Villiger beschriebene Schwachstellen der EU, die uns erst recht darin bestärken sollten, auf Distanz zu gehen.