Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland ist auf den höchsten Stand seit zehn Jahren gestiegen. Laut einer aktuellen Analyse der Auskunftei Creditreform mussten im ersten Halbjahr 2025 rund 11.900 Firmen Insolvenz anmelden – ein Anstieg von 9,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr, wie die Zeitung Die Welt berichtet. Besonders stark betroffen ist der Mittelstand, wo die Zahl der Pleiten teils überdurchschnittlich zunimmt.
«Trotz einiger Hoffnungssignale steckt Deutschland weiter in einer tiefgreifenden Wirtschafts- und Strukturkrise», erklärt Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter Wirtschaftsforschung bei Creditreform, der Welt. Firmen kämpften mit schwacher Nachfrage, steigenden Kosten und anhaltender Unsicherheit. Hinzu komme die Belastung durch die langanhaltende Rezession: Rücklagen schwänden, Kreditlinien würden nicht verlängert, prominente Firmen wie Gerry Weber, Lilium oder Sausalitos gerieten in Schieflage.
Laut Creditreform belaufen sich die Forderungsausfälle im ersten Halbjahr 2025 auf rund 33,4 Milliarden Euro – fast 4 Milliarden mehr als 2024. Auch die Zahl der gefährdeten Arbeitsplätze stieg um 6 Prozent auf rund 141.000. Besonders im Mittelstand mit 11 bis 250 Beschäftigten verzeichnet die Analyse bis zu 17 Prozent mehr Insolvenzen.
Das verarbeitende Gewerbe ist mit einem Anstieg von 17,5 Prozent besonders betroffen, gefolgt vom Handel mit 13,8 Prozent. Die Autobranche kämpft laut dem Kreditversicherer Atradius mit Überkapazitäten, sinkender Nachfrage, strukturellem Reformbedarf und der Bedrohung durch US-Zölle. «Deutschlands Autobranche hat die Talsohle noch nicht erreicht», so Atradius-Risikomanager Jens Stobbe.
Auch die Sanierungsbereitschaft der Gläubiger nimmt ab. Restrukturierungsexperte Jonas Eckhardt von Falkensteg warnt: «Eine Trendwende ist nicht in Sicht.» 2025 könnte das vierte Jahr in Folge mit steigenden Firmenpleiten werden.