Altkanzlerin Angela Merkel hat in einem Interview mit dem ZDF die AfD scharf kritisiert und sie als «menschenverachtende Partei» bezeichnet. Anlass war die Frage nach ihrer Verantwortung für den Aufstieg der Partei im Zuge ihrer Flüchtlingspolitik. Merkel wies diese indirekt zurück, übte jedoch grundsätzliche Kritik am politischen Kurs der AfD, berichtet die Welt.
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«Und trotzdem muss ich immer wieder sagen, es ist kein Grund, eine menschenverachtende Partei zu wählen, wenn man etwas zu kritisieren hat», meinte sie. Zwar erkenne sie an, dass es in ländlichen Regionen Frust und das Gefühl eines Stillstands gebe. Doch rechtfertige das keineswegs eine Unterstützung der AfD.
Besonders deutlich wurde Merkel bei der Beschreibung des ideologischen Kerns der Partei: Diese teile die Gesellschaft in «Eliten» und «das Volk» – und bestimme willkürlich, wer noch dazugehöre. «Das ist einfach gegen das Grundgesetz», erklärte sie. Dort sei festgelegt: «Alle Macht geht vom Volk aus – und das Volk sind alle deutschen Staatsbürger.»
Die frühere CDU-Chefin sieht populistische Strömungen nicht nur im Osten Deutschlands, sondern auch in westdeutschen Regionen, Frankreich, anderen EU-Staaten und den USA. Das Problem sei international – ebenso wie die Dynamiken der sozialen Medien, in denen extreme Inhalte besonders hohe Reichweiten erzielten.