Hiess einer im Ersten Weltkrieg im jüdischen Londoner Viertel Tottenham Rosenblatt, musste er regelmässig mit eingeschlagenen Scheiben rechnen. Oder die Menschen mieden den Kontakt, wenn sie ihm auf der Strasse begegneten. Sie unterstellten ihren jüdischen Mitbürgern klandestine Sympathien für den deutschen Feind.
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Mit anderen Worten: Der Antisemitismus hat in Grossbritannien eine so lange Tradition wie allerorten.
Heute gehört es sogar zum guten Ton, sich gegen die israelischen Interventionen im Gazastreifen öffentlich zu empören. Zum Beispiel an den regelmässigen, von Tausenden besuchten Anti-Israel-Demos in London.
Der Effekt spielt indes auch im Kleinen, wie ich diese Woche bei einer Veranstaltung in Walthamstow, dem Nachbarquartier Tottenhams, erfahren habe. Da riefen Anti-Israel-Aktivsten zu einem Widerstandsabend im lokalen Kinotheater auf.
An der Veranstaltung brüsteten sie sich damit, dass sie «die Kleider von ermordeten palästinensischen Kindern» an englischen Stränden auslegten, um «jedermann die Folgen des Genozids in Gaza» zu zeigen. In diesem Klima politischer Vergiftung muss sich keiner wundern, wenn es zu einem Anschlag wie in Manchester kommt.
Denn wenn die Diffamierung gesellschaftlich so breit akzeptiert ist, dann ist der Schritt zur mörderischen Tat klein.