Als Reaktion auf Donald Trumps massive Zolloffensive gegen China verlagert Apple einen Teil seiner iPhone-Produktion nach Indien. Wie die Financial Times berichtet, sind seit Trumps Ankündigung eines 104-Prozent-Zolls auf Importe aus der Volksrepublik mindestens zehn Flugzeuge mit iPhones aus Chennai Richtung USA gestartet.
Copyright 2023 The Associated Press. All rights reserved
Apple habe versucht, kurzfristig eine Ausnahmegenehmigung zu erhalten – vergeblich. Nun sucht der Technologieriese Schutz vor einem der grössten wirtschaftlichen Risiken seit Jahren, indem er seine Lieferkette diversifiziert. Noch stammen rund 80 Prozent der iPhone-Fertigung aus China, doch Indien rückt zunehmend in den Fokus. Gemäss einem indischen Regierungsvertreter denkt Apple über «weitergehende Investitionen» in Indien nach.
Ein vollständiger Produktionswechsel ist aber kurzfristig nicht realistisch. Auch wenn das gesamte indische Produktionsvolumen in die USA umgeleitet würde, könnte Apple damit nur rund dreissig Millionen der über fünfzig Millionen jährlich in die USA gelieferten Geräte abdecken, schätzt Analyst Wamsi Mohan von der Bank of America. Zudem sei die indische Infrastruktur noch nicht mit der chinesischen vergleichbar.
Trumps Handelsstrategie trifft Apple besonders hart. Seit der Ankündigung der Zölle hat das Unternehmen rund 700 Milliarden Dollar an Marktwert verloren. Zwar stiegen die Aktien nach der Ankündigung eines möglichen Aufschubs und individueller Ausnahmen wieder leicht, doch bleibt die Unsicherheit gross.
Ein kompletter Wechsel der Produktion in die USA gilt als kaum machbar. Laut Morgan Stanley würde es Apple mindestens drei Jahre und rund 30 Milliarden Dollar kosten, nur 10 Prozent seiner Lieferkette aus Asien in die Vereinigten Staaten zu verlagern. Analyst Erik Woodring spricht von einer «Zwangslage», die Apple zur Neuausrichtung seines gesamten Geschäftsmodells zwinge.