Im Tessin ist die Armut auf ein landesweit aussergewöhnliches Niveau gestiegen: 23,3 Prozent der Bevölkerung gelten als armutsgefährdet – fast jede vierte Person. Damit liegt der Südkanton deutlich über dem Schweizer Durchschnitt von 14,6 Prozent.
Wie der Blick berichtet, zeigen offizielle Zahlen, dass die Sozialhilfequote Ende 2025 erneut zugenommen hat. Auch die Zahl der Gesuche sei gestiegen. Das Hilfswerk Caritas Schweiz warnte bereits im Januar vor einer Zuspitzung: Sparmassnahmen und politische Blockaden gingen zunehmend zulasten der wirtschaftlich Schwachen.
Christof Schuerpf/Keystone
Ein zentrales Problem ist das im Vergleich zur übrigen Schweiz tiefere Lohnniveau. Wegen der Nähe zu Italien und dessen geringeren Löhnen geraten auch die Tessiner Einkommen unter Druck. Gleichzeitig steigen die Fixkosten weiter. Besonders ins Gewicht fallen die Krankenkassenprämien: Im Tessin liegen sie mit durchschnittlich über 500 Franken pro Monat deutlich über dem landesweiten Mittelwert von 393,30 Franken.
Bruder Martino Dotta von der Stiftung Francesco spricht von einem «deutlichen Anstieg der Nachfrage» zu Jahresbeginn. Seine Organisation müsse Angebote ausbauen und Öffnungszeiten verlängern. Auch Alleinerziehende sind stark betroffen: Laut einer Tessiner Interessenvertretung lebt beinahe jede dritte alleinerziehende Person in «absoluter Armut». Während die Wintersaison läuft, wächst im Südkanton die Sorge, dass sich die soziale Schieflage weiter verfestigt.