Die ukrainische Botschaft in der Schweiz ruft Schweizer Bildungs- und Kultureinrichtungen dazu auf, die russische Kultur im Vergleich zur ukrainischen Kultur herabzusetzen. In einer Erklärung, die am 30. Januar auf ihrer Webseite veröffentlich worden ist, schreibt die Botschaft, dass «jegliche Versuche», die ukrainische und die russische Kultur «auf eine Stufe zu stellen» oder als «gemeinsamen Raum des Dialogs» darzustellen, «unzulässig» sei.
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Die ukrainische Kultur sei eine «Kultur des Widerstands, der Würde und des Kampfs für die Freiheit», heisst es weiter. Sie könne daher nicht mit der Kultur eines Staats, «der einen Eroberungskrieg führt», gleichgesetzt werden. Entsprechende Versuche, die beiden Kulturen miteinander zu vergleichen, würden die Grenzen zwischen dem Aggressor und dem Opfer «verwischen». Dies wäre ein «schmerzhaftes Signal» für die ukrainische Gemeinschaft, schreibt die Botschaft, «sowohl in der Ukraine als auch hier in der Schweiz».
In der Schweiz wohnen 72.000 ukrainische Flüchtlinge, die jährlich mit über einer Milliarde Franken aus Schweizer Steuergeldern unterhalten werden müssen. In der Erklärung fordert die Ukraine von den «kulturellen, bildungsbezogenen und gesellschaftlichen Institutionen» in der Schweiz, «den realen Kontext der andauernden russischen Aggression zu berücksichtigen und verantwortungsvoll zu handeln».
Einen spezifischen Vorwand für die Erklärung gibt es offensichtlich nicht. Es handle sich um eine «grundsätzliche Stellung» und «prinzipielle Haltung» der Ukraine «im Kontext des andauernden russischen Angriffskrieges gegen unser Land», schreibt die Botschaft auf Anfrage. Man schätze den offenen und respektvollen Dialog in der Schweiz und sei überzeugt, «dass die Institutionen hier verantwortungsvoll und sensibel mit diesem Kontext umgehen».
Ukrainische Beeinflussungsaktivitäten im Kulturbereich sind nicht neu. So hat etwa das Zurich Film Festival 2024 eine Kriegsdokumentation aus Russland nach heftigem Druck aus der Ukraine gestrichen. Erst vor kurzem hat die Tessiner Gemeinde Muralto eine Aufführung ebenfalls einer russischen Kriegsdoku in ihren Räumen aus dem gleichen Grund gecancelt.

Dass ukrainische Produktionen nach Druck aus Russland in der Schweiz gestrichen worden wären, ist bis dato nicht bekannt. Man stelle sich zudem den medial-politischen Aufschrei im Land vor, wenn die Botschaften aus Russland, den USA oder Israel entsprechende Aufrufe gegen Kulturen missliebiger Länder publizieren würden. Der ukrainische Aufruf zur Ungleichbehandlung blieb bis jetzt unbeachtet.