Es war das Sportereignis zum Ende des Jahres. Nick Kyrgios (30), der Bad Boy des Tennis aus Australien, mass sich am Sonntagnachmittag in Dubai mit der Weltnummer eins im Frauentennis, Aryna Sabalenka (27) aus Weissrussland.
Im Vorfeld gab das Spiel vor allem zu reden, weil es mit der legendären «Battle of the Sexes» von 1973 zwischen Billie Jean King, damals Weltnummer zwei, und dem 55-jährigen ehemaligen Spitzenspieler Bobby Riggs verglichen wurde. Die Frau schlug den Mann damals 6:4, 6:3, 6:3. Bis heute ist es in Amerika der meistgeschaute Tennismatch.
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Der Tenor in den Medien lautete in den vergangenen Tagen: Damals sei es um die Gleichberechtigung der Frauen im Sport gegangen, heute werde blosse Geldmacherei betrieben. Auf dem Sender BBC, der das Spiel live übertrug, sagte eine Moderatorin deshalb: «Was es dem Sport bringt, wissen wir nicht, aber den Bankkonten der beiden bringt es sicher viel.» Natürlich ging es auch vor 52 Jahren ums Geld: Die Vermarktung des Sportspektakels zwischen King und Riggs nahm Jerry Perenchio (1930–2017), einer der erfolgreichsten Medienunternehmer Amerikas, in die Hand.
Nun also trat Sabalenka, 1,82 Meter gross und je nach Quelle zwischen 75 und 80 Kilogramm schwer, in der Coca-Cola-Arena zu Dubai gegen Kyrgios (1,93 m / 85 kg) an.
Der Australier gilt in der Szene als Macho und musste schon mehrere Bussen wegen undisziplinierten Verhaltens auf dem Platz bezahlen. Er war es auch, der 2015 beim ATP-Turnier in Montreal während des Spieles dem Schweizer Stan Wawrinka zurief: «Kokkinakis hat deine Freundin gevögelt. Es tut mir leid, dir das sagen zu müssen.» Thanasi Kokkinakis war ein Freund von Kyrgios und Wawrinkas damaliger Freundin Donna Vekic offenbar nähergekommen.
In den letzten drei Jahren bestritt Kyrgios wegen Verletzungen an Knie und Handgelenk bloss sechs Matches und fiel in der ATP-Rangliste auf Platz 671 zurück. Zu seiner besten Zeit war er die Nummer dreizehn der Welt, schlug Federer, Nadal und Djokovic. Sein Preisgeld total: gut 12,6 Millionen Dollar. Aryna Sabalenka ist vierfache Grand-Slam-Gewinnerin und seit 65 Wochen die Nummer eins im Frauentennis. Sie hat bisher etwas über 45 Millionen Dollar eingespielt. Sie ist von sehr kräftiger Statur, ein Tiger-Tattoo schmückt ihren Arm, was ihr den Spitznamen «die Tigerin» einbrachte, und sie kann mit einer Geschwindigkeit von rund 200 km/h servieren. Damit bewegt sie sich im Bereich eines Roger Federer.
Trotzdem galten in Dubai woke Regeln: Es gab keinen zweiten Aufschlag, und das Spielfeld auf der Seite von Sabalenka war um neun Prozent kleiner als jenes von Kyrgios. Die stark spielende Frau hatte gegen den Mann auch so keine Chance: Der stark schwitzende Kyrgios gewann in zwei Sätzen 6:3 und 6:3. Man hatte das Gefühl, dass er – im Gegensatz zu ihr – nicht immer mit vollem Einsatz spielte, wobei der Australier auch in Partien gegen Männer stets etwas flapsig wirkt.
Es war ein freundschaftliches Aufeinandertreffen – beide sind beim selben Management und mögen sich offensichtlich –, Geschenke wurden trotzdem keine verteilt. Der BBC-Moderator sprach im letzten Game nach gut einer Stunde sogar von einem «gnadenlosen» Kyrgios, als er zweimal hintereinander höchst präzise mit grosser Wucht aufschlug. Der Mann kontrollierte die Partie von Anfang an und spielte mit Tigerin Sabalenka zwischendurch gar Katz und Maus.
«Das nächste Spiel wird besser», versprach Sabalenka nach der Niederlage.