Die Audi-Stadt Ingolstadt steht vor dem finanziellen Abgrund. Wie der Bayerische Rundfunk berichtet, muss die Kommune künftig doppelt so viel sparen wie bislang geplant – statt 30 Millionen Euro nun bis zu 80 Millionen jährlich. Damit kann erstmals kein ausgeglichener Haushalt mehr vorgelegt werden.
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Oberbürgermeister Michael Kern (CSU) spricht von einer «dramatischen, äusserst herausfordernden und historisch schwierigen Situation». Hauptgrund für die Haushaltskrise ist der massive Einbruch bei der Gewerbesteuer. Während 2012 noch rund 242 Millionen Euro in die Stadtkasse flossen, werden für 2026 nur noch etwa 70 Millionen Euro erwartet. Audi, über dessen Konzernmutter VW die Steuer an die Stadt abgeführt wird, leidet wie die gesamte deutsche Autoindustrie unter Absatzschwäche und Strukturwandel.
Die Stadtregierung plant nun einen Sparkurs. Betroffen sind unter anderem Schulsanierungen, das Stadttheater und das Museum für Konkrete Kunst. Die Betriebserlaubnis für das denkmalgeschützte Theatergebäude läuft 2027 aus. Stadtkämmerer Franz Fleckinger erklärte laut BR, man wolle keine «Bauruinen» hinterlassen.
Auch die Bürger müssen sich auf Einschnitte einstellen. Bereits jetzt wurden Zuschüsse für Sportvereine gekürzt, und die Kammerphilharmonie hat ihr Konzertprogramm reduziert. Künftig drohen höhere Gebühren, weniger städtische Leistungen und eventuell höhere Steuern – Entlassungen beim Personal sind allerdings nicht geplant.
Laut einer Umfrage des Deutschen Städtetags steht Ingolstadt mit dem Problem nicht allein da: 37 Prozent der befragten Grossstädte können ihren Haushalt ebenfalls nicht mehr ausgleichen, 47 Prozent nur mit Rückgriff auf Reserven.