Beistand in der Bruchbude des Lebens: Als Komödie menschlicher Selbstbehauptung legen es Wilhelm Genazinos Werke nicht auf Belehrung oder gar Bekehrung an. Sie wollen eine Begegnung mit uns selbst herbeiführen
Wilhelm Genazino: Der Traum des Beobachters. Aufzeichnungen 1972–2018. Hanser. 464 S., Fr. 45.90
Als Wilhelm Genazino Ende des vergangenen Jahrhunderts zu einer Lesung nach Toronto gereist war, sorgte er bei seinen Gastgebern vom Goethe-Institut für Verwunderung. Er schlug das freundliche Angebot aus, sich in den Tagen nach der Lesung die nahegelegenen Niagarafälle zeigen zu lassen. Den Grund für sein Desinteresse, den er vor Ort taktvoll für sich behielt, vertraute Genazino später einem der Notizzettel an, die er immer bei sich trug: Solche Sehenswürdigkeiten seien «etwas für Leute, denen man riesige Dinge zeigen muss, damit sie überhaupt irgendetwas sehen». Die Beliebtheit von Naturschauspielen wie den Niagarafällen oder von Bauwerken wie dem Eiffelturm lasse s ...