Die beiden Podcaster Markus Lanz und Richard David Precht warnen in ihrer aktuellen Podcast-Folge vor einer zunehmenden Erosion der Meinungsfreiheit in Deutschland. Anlass ist laut dem Kölner Stadt-Anzeiger unter anderem die Reaktion auf eine frühere Sendung über die AfD sowie eine umstrittene Enthüllung von Jan Böhmermann.
Markus Lanz, Jan Böhmermann.
Lanz berichtet, er sei nach einem Zitat des AfD-Fraktionsvorsitzenden Tino Chrupalla – dem er im Podcast «beim Wort nehmen» wollte – mit heftiger Kritik konfrontiert worden: von Naivität bis zur «Nazi-Keule». Dies sei bezeichnend für ein Klima, in dem politische Äusserungen zunehmend moralisch sanktioniert würden. «Ich denke, wenn wir auf diese Art und Weise weitermachen, wenn wir so miteinander sprechen, dann gehen wir exakt den Weg, den Amerika gerade geht», warnt Lanz mit Blick auf gesellschaftliche Polarisierung.
Precht stimmt zu. Der Philosoph warnt vor den «sozialen Kosten» freier Rede. Viele Menschen würden sich nicht mehr trauen, bestimmte Gedanken öffentlich zu äussern. «Das beschert uns möglicherweise irgendwann amerikanische Verhältnisse – nämlich, dass quasi aus einer Trotzreaktion Rechtspopulisten an die Macht kommen, die dann auf ihre Art und Weise die Meinungsfreiheit einschränken, aber genau umgekehrt, als das bisher der Fall ist.»
Scharfe Kritik üben beide an Jan Böhmermann, der in seiner Sendung «ZDF Magazin Royale» kürzlich den Betreiber des rechten Youtube-Kanals «Clownswelt» öffentlich gemacht hatte. Precht kritisiert, da sei «jemand in bester mittelalterlicher Tradition an den Pranger gestellt und dem öffentlichen Spott und Hass preisgegeben» worden. Die Frage sei, ob dies noch journalistische Aufgabe sei – oder eine Form der Vorverurteilung.