Bevormundung an Silvester? Warum ich gegen ein Böllerverbot bin
Suchbegriff

Die Weltwoche bietet tägliche Analysen, exklusive Berichte und kritische Kommentare zu Politik, Wirtschaft und Kultur.

Konto Anmelden
Abonnemente
Jedes Abo eine Liebeserklärung an die Meinungsvielfalt.
AboDigital
Für alle, die Online lesen wollen
Alle Artikel online lesen
E-Paper inklusive
App (iOS & Android)
AboPrint & Digital
Printausgabe & digital jederzeit dabei
Wöchentliche Printausgabe
Alle Artikel online lesen
E-Paper inklusive
App (iOS & Android)
Sind Sie noch nicht überzeugt? Details zu den Abos
Die Weltwoche

Bevormundung an Silvester? Warum ich gegen ein Böllerverbot bin

Anhören ( 2 min ) 1.0× +
Bevormundung an Silvester? Warum ich gegen ein Böllerverbot bin
Bevormundung an Silvester? Warum ich gegen ein Böllerverbot bin
0:00 -0:00
1.0×
100%
Mehr ▾

Alle Jahre wieder diskutiert Deutschland über Sinn und Unsinn des privaten Böllerns. Befürworter eines Böllerverbots argumentieren wahlweise mit der Gefahr ernsthafter Verletzungen durch verbotenes Feuerwerk aus dem Ausland, den kriegsähnlichen Zuständen, die seit einigen Jahren speziell in deutschen Grossstädten zu Silvester herrschen, oder mit dem Tierschutz und der Umwelt. Viele dieser Argumente haben durchaus ihre Berechtigung, und dennoch sträubt sich bei dem Gedanken an ein Böllerverbot mein liberales Herz.

MARCUS BRANDT / KEYSTONE
ARCHIV - 01
MARCUS BRANDT / KEYSTONE

Dabei bin ich selbst nicht einmal ein Böllerfan. Das letzte Mal, dass ich einen Chinaböller geworfen habe, dürfte zwanzig Jahre her sein. Vor Raketen hatte ich schon immer Respekt, auch wenn ich sie gerne anschaue. Als Kind konnte ich mich vor allem für Feuerringe und Fontänen begeistern. Heute reicht mir eine Wunderkerze um Mitternacht.

Ich habe zudem eine Katze und zwei Hunde. Tiere sind bekanntlich nicht die grössten Fans von Feuerwerk. Manche entwickeln eine regelrechte Panik und leiden schon Tage vorher unter den ersten Knallgeräuschen.

Aber besteht der liberale Grundgedanke nicht genau darin, nicht alle privaten Entscheidungen auf die Gesellschaft abzuwälzen? Es war meine Entscheidung, mir Tiere anzuschaffen, und es ist meine Sache, ob ich selbst Spass am Böllern habe oder nicht. Sollte ich anderen deshalb das Böllern verbieten wollen, weil mir selbst nichts daran liegt? Ist nicht gerade das symptomatisch für die heutigen Gesellschaften des Westens, dass man ständig der Meinung ist, der Staat müsse mit Verboten und Regulierungen dafür sorgen, dass alle so leben müssen, wie man es selbst für richtig erachtet?

Ich lehne diese Haltung ab. Ich trage die Verantwortung für meine Tiere und dass sie diesen einen Abend im Jahr möglichst angstfrei zu Hause überstehen. Ich muss auch nicht anderen den Spass an etwas verderben, nur weil ich selbst keinen Sinn dafür habe. Das würde ich umgekehrt auch nicht wollen. Und wenn einen die kriegsähnlichen Zustände, die erst seit einigen Jahren in dieser Form an Silvester existieren, stören, könnte man immer noch damit beginnen, Zuwanderer, die sich nicht benehmen, endlich auszuweisen, statt sie einbürgern. Und wer sich darüber hinaus auf dem Dorf oder andernorts mit einem Polenböller ins Jenseits befördern will, der soll das eben tun. Darwin lässt grüssen.

Was mich an der Debatte jedoch am meisten stört, ist, dass ihr immer eine gehörige Portion linksbourgeoise Verachtung gegenüber dem «kleinen Mann» innewohnt. Eine Haltung, die mittlerweile auch auf Schmalspur-Liberale und Pseudo-Konservative übergreift. Die «Unterschicht», die ihr Bürgergeld in den Himmel jagt, so der Tenor. Wer oberschlau und gebildet wie die Linken ist, der böllert nicht. Es ist genau jene Haltung, die mich zum Verfechter des Böllerns macht. Eine Art natürliche Reaktanz gegenüber linkselitärer Arroganz.

In diesem Sinne: Lasst dem Deutschen sein Böllern. Er hat ja sonst nicht mehr viel Grund zur Freude.

Abonnement
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Abo prüfen
Startdatum: 01.04.2026
Mit der Bestellung akzeptieren Sie unsere AGBs.
Ihre Angaben
  • Dieses Feld dient zur Validierung und sollte nicht verändert werden.
  • Dieses Feld wird bei der Anzeige des Formulars ausgeblendet
  • Dieses Feld wird bei der Anzeige des Formulars ausgeblendet
    (Newsletter kann jederzeit wieder abbestellt werden)

Netiquette

Die Kommentare auf weltwoche.ch/weltwoche.de sollen den offenen Meinungsaustausch unter den Lesern ermöglichen. Es ist uns ein wichtiges Anliegen, dass in allen Kommentarspalten fair und sachlich debattiert wird.

Das Nutzen der Kommentarfunktion bedeutet ein Einverständnis mit unseren Richtlinien.

Scharfe, sachbezogene Kritik am Inhalt des Artikels, an Protagonisten des Zeitgeschehens oder an Beiträgen anderer Forumsteilnehmer ist erwünscht, solange sie höflich vorgetragen wird. Wählen Sie im Zweifelsfall den subtileren Ausdruck.

Unzulässig sind:

  • Antisemitismus / Rassismus
  • Aufrufe zur Gewalt / Billigung von Gewalt
  • Begriffe unter der Gürtellinie/Fäkalsprache
  • Beleidigung anderer Forumsteilnehmer / verächtliche Abänderungen von deren Namen
  • Vergleiche demokratischer Politiker/Institutionen/Personen mit dem Nationalsozialismus
  • Justiziable Unterstellungen/Unwahrheiten
  • Kommentare oder ganze Abschnitte nur in Grossbuchstaben
  • Kommentare, die nichts mit dem Thema des Artikels zu tun haben
  • Kommentarserien (zwei oder mehrere Kommentare hintereinander um die Zeichenbeschränkung zu umgehen)
  • Kommentare, die kommerzieller Natur sind
  • Kommentare mit vielen Sonderzeichen oder solche, die in Rechtschreibung und Interpunktion mangelhaft sind
  • Kommentare, die mehr als einen externen Link enthalten
  • Kommentare, die einen Link zu dubiosen Seiten enthalten
  • Kommentare, die nur einen Link enthalten ohne beschreibenden Kontext dazu
  • Kommentare, die nicht auf Deutsch sind. Die Forumssprache ist Deutsch.

Als Medium, das der freien Meinungsäusserung verpflichtet ist, handhabt die Weltwoche Verlags AG die Veröffentlichung von Kommentaren liberal. Die Prüfer sind bemüht, die Beurteilung mit Augenmass und gesundem Menschenverstand vorzunehmen.

Die Online-Redaktion behält sich vor, Kommentare nach eigenem Gutdünken und ohne Angabe von Gründen nicht freizugeben. Wir bitten Sie zu beachten, dass Kommentarprüfung keine exakte Wissenschaft ist und es auch zu Fehlentscheidungen kommen kann. Es besteht jedoch grundsätzlich kein Recht darauf, dass ein Kommentar veröffentlich wird. Über einzelne nicht-veröffentlichte Kommentare kann keine Korrespondenz geführt werden. Weiter behält sich die Redaktion das Recht vor, Kürzungen vorzunehmen.