Als das Internet Anfang der 2000er-Jahre sich zum Massenmedium mauserte, veröffentlichte ein Fotograf Tausende Luftaufnahmen, welche die Erosion eines kalifornischen Küstenabschnitts dokumentierten. Unter diesen Bildern war das Haus von Barbra Streisand unter Angabe der Koordinaten und ihrer Eigentümerschaft zu sehen.
Die Schauspielerin und Sängerin verklagte daraufhin den Fotografen. Sie begründete die Klage, dass ihre Sicherheit fortan nicht mehr gewährleistet sei. Die Klage erregte das Interesse der Öffentlichkeit, worauf sich Bild und Adresse ihres Hauses viral im Netz verbreiteten. Der Versuch, etwas zu verdecken und damit exakt das Gegenteil zu erreichen, wurde unter dem Namen Streisand-Effekt als soziologisches Phänomen klassifiziert.
Eine Variation des Effekts ist mit der Enthüllung der Identität eines bislang anonymen rechten Influencers mit dem Pseudonym «Clownswelt» zu beobachten. Dieser dekonstruiert im pseudo-investigativen Stil und höhnischem Ton den «politisch-medialen-Komplex».
Die Anonymität erklärt «Clownie» damit, dass er sich nicht Angriffen von Linken aussetzen möchte. Das Team von Jan Böhmermann veröffentlichte dieser Tage in der Sendung «ZDF Royale» den Klarnamen von Clownie. Seither streitet man in Deutschland, ob diese Aktion rechtens ist. Darunter liegt das Dilemma, wie die Gesellschaft mit rechten Netzwerken umzugehen weiss.
«Clownswelt» weist sich als Satire-Account aus, die AfD lobte seine Beiträge hingegen auch schon als «Aufklärungsvideos». Der Youtube-Account profitiert von einem backfire-Effekt. Seine Followerschaft explodierte mit dem Outing seiner Identität von 227.000 auf über 466.000 Abonnenten.
Im Englischen sagt man to pay attention; Clownie dürfte die Aufmerksamkeit tatsächlich in harte Währung verwandeln. Seine Videobeiträge werden munter mit Werbung etablierter Konsumgütermarken unterbrochen.