Trotz historisch hoher Bewertungen gehen Anleger mit erstaunlicher Gelassenheit ins neue Jahr. Wie eine aktuelle Erhebung des Finanzdienstleisters Bloomberg zeigt, erwarten die meisten Wall-Street-Strategen für den US-Leitindex S&P 500 ein Plus von rund neun Prozent im Jahr 2026 – solide, aber deutlich unter dem Schnitt der vergangenen Jahre.
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Auffällig ist dabei die ungewöhnliche Einigkeit unter den Analysten: Zwischen dem vorsichtigsten (plus ein Prozent) und dem optimistischsten Ausblick (plus 18 Prozent) liegt eine historisch geringe Spannbreite. Das letzte Mal herrschte 2018 eine ähnlich enge Prognosebandbreite.
Dabei sind Aktien global betrachtet so teuer wie selten zuvor: Laut Goldman Sachs liegen die Bewertungen – gemessen an den erwarteten Unternehmensgewinnen – im obersten Zehntel der letzten zwanzig Jahre. Das betrifft nicht nur amerikanische Tech-Titel, sondern auch breite Marktsegmente und andere Weltregionen. Günstig sind Aktien bestenfalls noch im historischen Vergleich in China oder Grossbritannien.
Einige Investoren hoffen dennoch auf weiter steigende Kurse – womöglich getrieben durch die Furcht, künftige Gewinne zu verpassen. Laut Berechnungen von Elm Wealth preisen Optionen auf den S&P 500 derzeit eine elfprozentige Wahrscheinlichkeit ein, dass der Index 2026 um 30 Prozent oder mehr steigen könnte. Dagegen liegt die implizite Crash-Wahrscheinlichkeit – ein Einbruch um 30 Prozent oder mehr – bei lediglich acht Prozent, kaum über dem historischen Schnitt von sieben Prozent.