«Heftige Kritik an Ausschluss von Imane Khelif» titelt die Bild gestern und nimmt dabei Bezug auf die Meldung, dass Khelif nicht, wie ursprünglich geplant, am Eindhoven Box Cup teilnehmen wird. Es ist bedauerlich, dass sich Deutschlands grösste Tageszeitung damit an dem Verwirrspiel um den algerischen Boxer beteiligt.
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Denn Imane Khelif wurde nicht ausgeschlossen. Imane Khelif hat sich selbst ausgeschlossen, indem «sie» keinen Geschlechtstest vor dem Turnier vorlegte. Dieser ist jedoch nach einer Entscheidung des internationalen Boxverbandes seit neuestem verpflichtend. Damit ist klar, was bereits mehrere Gutachten zuvor ergeben haben: «Die männliche Boxerin», wie die Bild den Algerier oft liebevoll nannte, ist tatsächlich ein Mann.
Ansonsten wäre es für Khelif ein Leichtes, allen Spekulationen über sein Geschlecht mit einem Test ein Ende zu bereiten. Niemand sonst, ausser Khelif, hat es in der Hand. Ein Test, der ein weibliches Geschlecht bestätigt, und Khelif könnte nicht nur am Boxcup teilnehmen, er könnte auch allen Kritikern den Wind aus den Segeln nehmen. Dass er es nicht tut, verrät indes alles, was man über ihn wissen muss.
Aber statt diesen Mann, der bei Olympia vor einem Weltpublikum auf Frauen eingeprügelte und sich dafür ohne jedwede Scham mit der olympischen Goldmedaille hat auszeichnen lassen, angesichts dieses Verhaltens endlich für seine Taten an den öffentlichen Pranger zu stellen oder ihm zumindest seine Medaille abzuerkennen, nimmt man ihn weiterhin in Schutz und tut so, als sei er und nicht die Frauen, die er um ihren Lebenstraum gebracht hat, das Opfer in der Geschichte.
«Die Entscheidung zum Ausschluss von Imane ist nicht unsere. Wir bedauern dies», hört man da etwa vom Mediendirektor des Turniers in Eindhoven, Dirk Renders. Und Eindhovens Bürgermeister Jeroen Dijsselbloem ergänzt: «Soweit es uns angeht, sind alle Athleten in Eindhoven willkommen. Athleten auf der Basis umstrittener Geschlechtertests auszuschliessen, passt nicht dazu», schrieb er in einem Brief an den niederländischen und den internationalen Boxverband. Des Weiteren forderte er die Organisatoren des Cups dazu auf, Khelif zumindest einzuladen.
«Umstrittene Geschlechtertests». Man muss sich diese Worte nur einmal auf der Zunge zergehen lassen, um zu wissen, dass grosse Teile der westlichen Welt ganz offensichtlich den Verstand verloren haben. Und Leute wie Khelif wissen dies für sich zu nutzen. Ein lächerliches Schmierentheater, bei dem man sich wünscht, dass die Verantwortlichen nur einmal so viel Mitgefühl mit den weiblichen Boxerinnen zeigen würden wie mit einem Mann, der sie alle am Nasenring durch die Manege zieht.