Pädagogen in Deutschland schlagen Alarm: Ein Brandbrief von 1100 Lehrern listet zunehmende Defizite des Bildungsnachwuchses auf. Immer mehr Grundschüler in Deutschland sind nicht in der Lage, einen Stift zu halten, Schuhe zu binden oder sich selbständig anzuziehen. Massive Sprach- und Konzentrationsprobleme verschärfen die Lage. «Kindern fehlen zunehmend Voraussetzungen dafür, erfolgreich am Anfangsunterricht teilnehmen zu können», heisst es in einer Resolution der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Hessen, die am Mittwoch dem Kultusministerium in Wiesbaden übergeben wurde.
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Die Pädagogen fordern mehr qualifizierte Lehrer, zusätzliche Psychologen und Klassen mit maximal zwanzig Kindern. Initiatorin Heike Ackermann (60), stellvertretende GEW-Vorsitzende, kritisiert in der Bild-Zeitung: «Die Schüler wurden von der Politik allein gelassen – und wir Lehrer auch.» Auf fünf Seiten listet der Brief Problempunkte auf: fehlende Anstrengungsbereitschaft, mangelnde Frustrationstoleranz und Probleme bei grundlegenden Fähigkeiten wie Schneiden, Kleben oder selbständigem Toilettengang.
Die Gewerkschaft warnt, dass Schulen immer mehr gesellschaftliche Probleme auffangen müssten – von Migration bis zu Kriegstraumata. «Wenn ein ukrainisches Kind bei Flugzeuggeräuschen unter den Tisch kriecht, kann ich das nicht allein bewältigen», so Ackermann. Auch Lerndefizite in Mathe nähmen zu. Die Lehrerin appelliert an Eltern: «Spielen Sie Brettspiele, statt aufs Handy zu schauen.»
Die GEW fordert dringend mehr Unterstützung – sonst drohe das Bildungssystem zu kollabieren.