Eine führende britische Universität fordert im Rahmen eines «Dekolonisierungs»-Projekts das Ende klassischer Prüfungen und benoteter Essays. Das berichtet The Daily Mail.
Die University of Birmingham argumentiert in einem neuen Bericht, traditionelle Prüfungsformen würden «weisse Studierende begünstigen» und seien Ausdruck von «Intelligenzmassstäben, die auf weissem Privileg beruhen». Für Studierende aus ethnischen Minderheiten sei es dadurch schwieriger, gute Leistungen zu erzielen.
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Der Bericht mit dem Titel «Decolonising a business school in context: From theory to practice» ist Teil eines dreijährigen Projekts an der Business School der Universität, das im Zuge der «Black Lives Matter»-Proteste lanciert worden ist. Prüfungen, benotete Essays sowie zeitlich begrenzte Tests werden darin als potenzielle «Instrumente der Ausgrenzung» bezeichnet. Stattdessen werden «niedrigschwellige Prüfungsformen» wie Reflexionsjournale vorgeschlagen.
Unterstützung erhält der Ansatz unter anderem von Professorin Sally Everett vom King’s College London, die von «unverdienten Vorteilen des Weissseins» spricht und traditionelle Leistungsbewertungen als Verstärker «systemischer Ungleichheit» kritisiert.
Kritik kommt hingegen von Bildungsverbänden. Chris McGovern von der Campaign for Real Education spricht von einer «Diskreditierung akademischer Integrität». Prüfungen würden nicht nach Hautfarbe, sondern nach Leistungsfähigkeit unterscheiden. Studierende aus dem globalen Süden würden durch solche Ansätze bevormundet und als intellektuell minderfähig dargestellt.
Unklar bleibt, in welchem Umfang die Empfehlungen bereits umgesetzt werden.