Die Europäische Union plant eine deutliche Reduktion ihrer diplomatischen Aussenposten. Rund zehn Auslandsvertretungen sollen auf ein Minimum reduziert, etwa hundert lokale Mitarbeitende entlassen werden. Das geht aus einem internen Dokument hervor, das dem Portal Politico vorliegt. Die Umstrukturierung sei Teil umfassender Sparmassnahmen mehrerer EU-Institutionen.
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Die EU-Aussenbeauftragte Kaja Kallas habe grünes Licht für die Reform des Europäischen Auswärtigen Dienstes (EAD) erhalten, heisst es. In betroffenen Delegationen, etwa in Belarus oder Lesotho, sollen künftig nur noch ein Botschafter und ein oder zwei Mitarbeitende vor Ort tätig sein – teilweise im Homeoffice. Gleichzeitig werde der Fokus neu auf strategische Interessen wie Sanktionsdurchsetzung und sicherheitspolitische Partnerschaften gelegt.
Der Umbau soll zwischen 2026 und 2027 erfolgen. Ursprünglich hatte ein früherer Entwurf sogar Einschnitte bei bis zu 800 Stellen vorgesehen. Nun plant Brüssel eine abgespeckte Variante mit Einsparungen von neun Millionen Euro über drei Jahre, nach initialen Kosten von rund zwanzig Millionen Euro. Delegationen in geopolitisch relevanten Regionen könnten hingegen personell gestärkt werden.
Seit seiner Gründung 2011 war der EAD vor allem für Entwicklungshilfe und wirtschaftliche Zusammenarbeit zuständig. Mit dem Wandel zur «strategischen Diplomatie» spiegelt sich ein allgemeiner Kurswechsel wider: Mitgliedstaaten zeigen wenig Bereitschaft, ihre Beiträge aufzustocken, während die Nachfrage nach verteidigungsbezogenen Investitionen wächst. Ein Sprecher der Kommission lehnte eine Stellungnahme bislang ab.