Es ist klar, in welchem Blatt Thomas Bucheli ankündete, dass er nächstes Frühjahr in Pension gehen werde. Es war die Glückspost. Bucheli, der Chef von «Meteo», vertraute der Glückspost an, es sei «ein erschreckender Gedanke, dass im Mai Schluss ist».
Die Glückspost ist das Hausorgan jener Bevölkerungsschicht, die aus den sogenannten TV-Publikumslieblingen besteht. Aber das Blatt liebt eine besondere Art dieser Prominenz. Es sind die TV-Publikumslieblinge ohne Starallüren, dafür mit viel Biedersinn und Normalität ausgestattet, eine volksnahe Spezies, die auch im Schrebergarten nebenan sitzen könnte.
SRF/Oscar Alessio
So einer war Bucheli. Starallüren waren ihm fremd, obwohl er dazu allen Grund gehabt hätte. Sein «Meteo» ist bei den Publikumszahlen die erfolgreichste Sendung des Schweizer Fernsehens, noch vor der «Tagesschau». Manche Zuschauer schalten den Fernseher erst ein, wenn die «Tagesschau» glücklicherweise vorüber ist, sie sich aber Buchelis Wetter-Darbietung nicht entgehen lassen wollen.
Bucheli war darum so ein exzellenter Entertainer, weil er genau wusste, wie man die Schweiz unterhält. Man unterhält sie nicht mit Hollywoodshows, sondern mit dem Charme eines Waldfests.
Im Jahr 2023 sorgte Bucheli dann für einen Eklat, für «den Skandal des Sommers», wie es die NZZ am Sonntag nannte. Er sagte systematisch viel zu hohe Temperaturen für die Touristenorte am Mittelmeer voraus. Bucheli prognostizierte wochenlang höllische Gluthitzen von 38 Grad und mehr für Südfrankreich, die Adriaküste, Andalusien und Sardinien, wenn es dort in Wirklichkeit eine angenehme Sommerfrische um 28 Grad oder weniger war.
Das brachte den Feuerteufel natürlich in Verdacht, Greta Thunberg zu spielen und Klimapanik zu betreiben. Bucheli dementierte und verwies auf technische Fehler, die von böswilligen Algorithmen ausgelöst würden. Dann entschuldigte er sich vor laufender Kamera für seine überhitzten Vorhersagen. Hunderte von Zeitungsartikeln erschienen damals über Buchelis Flops. Bucheli schrieb damit sozusagen Schweizer Mediengeschichte.
Bye-bye Bucheli also. Im Abschiedsartikel der Glückspost stand zu ihm ein poetischer Satz: «Sobald er über das Wetter spricht, huscht ein Lächeln über sein Gesicht.»
Diese Poetik wollen wir TV-Zuschauer uns für den kommenden Rentner erhalten. Wenn wir nach seiner Pensionierung an Thomas Bucheli zurückdenken, dann huscht uns ein Lächeln übers Gesicht.