Die Sopranistin Anna Netrebko wird im November im Zürcher Opernhaus auftreten. Auf dem Programm steht Verdis Oper «La forza del destino» – Netrebko in der Besetzung von Leonora. In dieser Rolle sei sie schlicht eine der «Besten der Welt», findet Opernhaus-Intendant Matthias Schulz.
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In ukrainischen Kreisen herrscht Alarmstimmung vor. Iryna Wenediktowa, Präsident Wolodymyr Selenskyjs Botschafterin in Bern, intervenierte jüngst in Ignazio Cassis’ Aussendepartement (EDA), um den Auftritt Netrebkos zu verhindern. «Die Botschafterin der Ukraine hat sich bei den Bundesbehörden eingeschaltet», bestätigt das EDA. Das aggressive Verhalten gegen Netrebko will Cassis’ Departement aber nicht näher kommentierten.
Wenediktowa lässt offenbar keinen Versuch aus, die Star-Opernsängerin in der Limmatstadt zu boykottieren. Die Gemeinderäte der Stadt Zürich hat sie in einem Schreiben bereits aufgefordert, «ihre Stimme» gegen Netrebko zu erheben. Und auch beim Opernhaus selbst hat Wenediktowa interveniert, wie die Weltwoche bereits berichtet hat. Mit dem Opernhaus-Verwaltungsratspräsidenten und Ex-Zürcher Regierungsrat Markus Notter habe ein «persönlicher Austausch» stattgefunden.
Wenediktowa spricht von «einem internationalen Skandal», da Netrebko ein «Markenzeichen des Putin-Regimes» geworden sei und als «Vertrauensperson» des russischen Präsidenten gelte. Der befremdliche Aktivismus der Botschafterin gegen die russische Opernsängerin blieb bisher ohne Erfolg. In Zürich will man am Programm festhalten. Der geplante Auftritt mit Netrebko soll stattfinden, bestätigt das Opernhaus. Ob die Kulturinstitution standhaft bleibt und sich nicht in ihr Programm reinreden lässt? Es bleibt zu hoffen.