Der Internationale Währungsfonds warnt, dass der Krieg im Nahen Osten weltweit zu höherer Inflation und schwächerem Wachstum führen wird. IWF-Chefin Kristalina Georgieva sagte dem Nachrichtenportal Reuters: «Stattdessen führen jetzt alle Wege zu höheren Preisen und langsamerem Wachstum.»
Auslöser ist laut IWF eine massive Störung der globalen Energieversorgung. Durch die faktische Blockade der Strasse von Hormus seien grosse Teile der Ölproduktion ausgefallen. Rund ein Fünftel der weltweiten Öl- und Gastransporte passiert diese Route. Insgesamt sei das globale Ölangebot um etwa 13 Prozent gesunken.
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Der IWF rechnet deshalb mit einer Absenkung seiner Wachstumsprognosen und gleichzeitig steigenden Inflationsaussichten. Noch zuvor war für 2026 ein globales Wachstum von 3,3 Prozent und für 2027 von 3,2 Prozent erwartet worden. Selbst bei einem schnellen Ende des Konflikts werde es zu einer «relativ kleinen» Korrektur nach unten kommen, bei anhaltenden Kämpfen drohen deutlich stärkere Effekte.
Besonders betroffen sind laut IWF energieabhängige Länder ohne eigene Ressourcen. Viele dieser Staaten hätten kaum finanzielle Spielräume, um steigende Preise abzufedern. Das erhöhe auch das Risiko sozialer Spannungen. Bereits jetzt hätten einige Länder Unterstützung beim IWF angefragt.
Neben Energie trifft der Schock auch andere Sektoren. Beschädigte Infrastruktur sowie unterbrochene Lieferketten wirken sich auf Gas, Düngemittel und weitere Industrien aus. Insgesamt wurden laut internationalen Energiebehörden Dutzende Anlagen beschädigt.
Der IWF warnt zudem vor möglichen Folgen für die Ernährungssicherheit. Sollten Lieferketten für Düngemittel weiter gestört werden, könnten Millionen Menschen von Hunger bedroht sein. Auch bei einem raschen Kriegsende rechnet der Fonds mit anhaltenden globalen Belastungen.