Washington hat laut mehreren US-Beamten die wirtschaftlichen Folgen eines möglichen iranischen Gegenschlags im Persischen Golf unterschätzt, berichtet der Nachrichtensender CNN. Nach Angaben mehrerer mit den Beratungen vertrauter Quellen hätten das Pentagon und der Nationale Sicherheitsrat bei der Planung der amerikanisch-israelischen Militärschläge gegen Iran nicht ausreichend berücksichtigt, dass Teheran als Reaktion die strategisch wichtige Strasse von Hormus schliessen könnte. Dieses Szenario gilt nun als eines der schwerwiegendsten Risiken für die Regierung von Präsident Donald Trump.
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Die Strasse von Hormus ist eine der wichtigsten Energierouten der Welt. Ein grosser Teil der globalen Öl- und Flüssiggaslieferungen passiert täglich die Meerenge zwischen Iran und der Arabischen Halbinsel. Angriffe und Drohungen im Zuge des Kriegs haben bereits zu erheblichen Verwerfungen auf den Energiemärkten geführt.
Mehrere Quellen erklärten, Trumps eng geführter Entscheidungsprozess habe interne Debatten über mögliche wirtschaftliche Folgen eingeschränkt. Zwar seien Vertreter des Finanz- und Energieministeriums an einzelnen Planungssitzungen beteiligt gewesen. Deren wirtschaftliche Analysen hätten jedoch nicht das Gewicht gehabt, das in früheren US-Regierungen üblich gewesen sei.
In vertraulichen Briefings hätten führende Regierungsvertreter gegenüber Kongressabgeordneten eingeräumt, dass die Möglichkeit einer vollständigen Sperrung der Meerenge nicht ernsthaft einkalkuliert worden sei. Viele Verantwortliche hätten angenommen, ein solcher Schritt würde Iran wirtschaftlich stärker schaden als den USA.
Inzwischen stehen Washington nur begrenzte Optionen offen. Die Regierung prüft militärische Begleitschutzoperationen für Öltanker, doch das Pentagon hält solche Einsätze derzeit für zu gefährlich. Iranische Drohnen, Raketen und mögliche Seeminen gelten als erhebliche Bedrohung für Schiffe im engen Seegebiet.
Der iranische Staatschef Mojtaba Chamenei erklärte unterdessen laut Staatsfernsehen, die Sperrung der Meerenge bleibe ein «Druckmittel» im Konflikt. Damit steigt der Druck auf die USA und ihre Verbündeten, eine militärische oder diplomatische Lösung zu finden.
Parallel versucht Washington, die wirtschaftlichen Folgen abzufedern.