Grüezi miteinander, ganz herzlich willkommen und einen wunderschönen guten Morgen, meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Freunde aus nah und fern. Ich begrüsse Sie zur schweizerischen Ausgabe von Weltwoche Daily «Die andere Sicht». Unabhängig, kritisch, gut gelaunt am Mittwoch, dem 14. Januar 2020. 26. Brandkatastrophe in Grand Montana. Details aus dem Ermittlungsverfahren sickern an die Öffentlichkeit durch. Vermutlich ist das aufgrund der internationalen Aufmerksamkeit und der verschiedenen Prozesse, die da im Gang sind, nicht zu verhindern. Die Medien berichten da über Details mehr oder weniger. Eine zentrale Frage scheint mir nach wie vor zu sein: Die allgemeine Einordnung. Ist diese Katastrophe ein spezifisch Walliser oder Unterwalliser Phänomen, ein Symptom für Alpenfilz und Bergler Nonchalance? Alle kennen sich, man schaut weg, man trinkt ein Glas Weisswein und am Schluss profitieren alle vom Geld. dass es ihnen ausschliesslich geht, das ist so eines der Klischees, das sich jetzt da auch etwas infernoartig ausbreitet. Ich bin da sehr, sehr skeptisch. Ich glaube, dass so etwas wie in Grand auch in anderen Kantonen passieren könnte. Es ist ja auch schon in vielen anderen Ländern passiert, zum Beispiel in den Vereinigten Staaten von Amerika oder in Brasilien. Vielleicht auch etwas überheblichen Sichtweise jener, die diese Klischees bedienen, ist natürlich auch Brasilien kein relevanter Vergleichswert. Aber wenn man die Katastrophe noch einmal auf ihren essentiellen Kern herunter bricht: Was ist hier eigentlich passiert? Wir haben einen Wirt, der elementare Sicherheitsvorschriften nicht eingehalten hat, der seine Verantwortung nicht wahrgenommen hat. Wenn man mit diesen Bürokerzen in seinem Lokal Werbung macht, dass eine Attraktion ist, mit dem auch Geld verdient, dann hat man ja als Betreiber sicherzustellen, dass das Restaurant, die Bar, der Club so eingerichtet ist, dass nichts passieren kann. Also dass da nicht irgendwelches leicht brennbares, feuerfangendes Material so installiert ist, dass daraus eben ein Inferno entstehen kann. Und diese Aufgabe nach heutigem Kenntnisstand hat er nicht erfüllt. Diese Verantwortung hat er nicht wahrgenommen. Dazu kommen natürlich andere Faktoren, Fragwürdigkeiten, vielleicht sogar Ungeheuerlichkeiten, zum Beispiel geschlossene Fluchttüren, viel zu enge Durchgänge, Türen die sich nach innen öffnen, möglicherweise zu wenig geschultes Personal. Das ist jetzt alles hart klein auseinanderzunehmen. Aber offensichtlich unbestreitbar ist, wenn in deinem Club 40 Menschen sterben auf diese Art und Weise, dann hast du versagt, dann hast du kriminell versagt und wie stark, wie sehr... Das gilt es dann in einem Strafverfahren zu ermitteln. Das heisst also, Gesetze, Vorschriften sind hier nicht eingehalten worden. Man hat auch nicht alles daran gesetzt, eben die Sicherheit der Gäste an die erste Prioritätsstelle zu setzen. Das ist die Situation des Wirts. Man hat einfach die Gesetze, die Regeln missachtet. Dann gibt es aber die Dimension der Behörden, die verantwortlich sind, dass kein Betrieb... Geöffnet werden darf, der diese Gesetze, die es in der Schweiz gibt und die im Kanton Wallis genauso streng, vielleicht sogar noch strenger sind als in anderen Kantonen, diese Brandschutzgesetze einzuhalten, durchzusetzen, zu kontrollieren. Das ist die Aufgabe der Behörden. Und da hat auch eine ganze Verantwortungskette versagt, möglicherweise strafrechtlich relevant versagt. Wenn 40 Menschen sterben, über 100 schwerstverletzt sind, dann haben wir es mit einem Verbrechen, dann haben wir es mit kriminellen Handlungen zu tun. alles weitere ist im Strafverfahren abzuklären. Also wir haben eine Situation mit einer Verfassung, mit einem Gesetz, mit Behörden und Kontrollinstanzen, alles ist da, aber man hat die Arbeit nicht gemacht. Man hat es nicht angewendet. Und wenn ich dieses Muster jetzt unabhängig vom Vorfall isoliere, dann ist das für mich ein Sinnbild für die Schweiz. Dann ist eben Grand ein Symptom, eben doch ein Symptom für eine Schweiz, die verlottert, Die ihre eigenen Gesetze nicht ernst nimmt und auch deren Einhaltung nicht oder nur sehr selektiv, fahrlässig, mit katastrophischen Konsequenzen kontrolliert. Aber das gibt es eben nicht nur im Kanton Wallis. Zum Beispiel Verfassungsartikel, glasklar, Masseneinwanderungsinitiative, Sie erinnern sich? 2014 wurde angenommen. Im Dezember 2016, was macht das Parlament? Setzt es einfach nicht um, wird nicht angewendet. Oder straffällige Asylbewerber, Kriminelle die in die Schweiz kommen. Wo finden die Kontrollen statt? Wo die Ausweisungen? Plötzlich haben wir einen Status vorläufig aufgenommen. Leute die keinen Asylanspruch haben bleiben trotzdem hier und werden dann irgendwann eingebürgert. Wo sind denn hier die Kontrollen? Oder all jene Politiker die jetzt in die NATO drängen, die die Neutralität aufweichen. Auch ein Grundsatz. Vielleicht nicht gesetzlich so festgezurrt wie bestimmte Brandschutzvorrichtungen. Aber Ehren, Säulen, Pfeiler unseres Staates, unserer Sicherheit, die werden ja auch nicht ernst genommen, die werden ja auch nicht umgesetzt. Also diese Verlotterung, diese Verwahrlosung, dieses Nichtmachen der Arbeit und das Nichterfüllen des Auftrags, diese fahrlässige Nonchalance, mutmassig kriminelle Nonchalance. Das ist doch etwas, das in der ganzen Schweiz um sich greift. Fast schon gesellschaftliches Gegenwartsphänomen. Und deshalb warne ich vor dieser selbstschmeichlerischen, selbstgerechten Überheblichkeit, so etwas kann ja nur im Kanton Wallis passieren. Das ist die falsche Art darauf zu reagieren. Wir müssen darauf reagieren, erstens, dass wir sagen, so etwas muss lückenlos aufgeklärt werden, bis in die letzten Verantwortungsbezirke und selbstverständlich auch ein... Gemeindepräsident, der überhaupt nicht auf der Höhe der Aufgabe ist. Gilt aber noch für manche Politiker in der Schweiz. Das allein ist ja noch kein Verbrechen, aber es kommt eben darauf an, was daraus dann an Unheil und Schaden entstehen kann. Also Aufklärung hier, lückenlos, darüber haben wir schon gesprochen. Aber das Zweite ist vielleicht auch ein Weckruf etwas umfassenderer Art. Cran als Symptom, Cran als Zeichen der Verlotterung. Das sind für mich die viel produktivere Ausführungen und hoffentlich auch hilfreichere Art, das Ganze einzuordnen als diese wohlfeilen Klischees, die da immer noch herumgeboten werden. Weitere Themen: Die Proteste in Iran fordern nicht nur die Mulhas heraus, sondern auch linke Glaubenssätze. Ein Aufsatz in der Neuen Zürcher Zeitung. Schwierig zu beurteilen von hier aus, ob jetzt dieses schon oft totgesagte Mullah-Regime endlich zusammenbricht, abdankt, dass dann wieder Verhältnisse einkehren wie vor den Mullahs. Wobei man sich auch immer wieder die Frage stellt, warum ist eigentlich das, was vorher war, damals zusammengestürzt, 1979? Da hat eben auch nicht alles gut und richtig gelaufen im Iran. Die Geschichte könnte sich auch da wiederholen. Wir werden sehen, als Schweizer können wir nichts machen. Wir sind als Schweizer aber neutral und als Schweizer haben wir nicht zu richten, sondern zu schlichten. Das ist Die Aufgabe: Sergio Armotti, die Financial Times meldet, dass es da einen Rücktritt geben könnte im Jahr 2027. Der hochverdiente Konzernchef, der ja zurückgeholt wurde, nachdem - das waren übrigens nicht Walliser - die Credit Suisse in den Sand gesetzt wurde. Die Swissair übrigens haben die Walliser auch nicht versenkt. Einfach so als kleine Randbemerkung: Sergio Armotti könnte zurücktreten. Wer sind da die aussichtsreichen Kandidaten? Sergio Armotti, sicherlich eine ganz wichtige Persönlichkeit im schweizerischen Finanzunternehmer in der Finanzwirtschaft. Wir haben ihn in der Weltwoche einmal als Bundesrat empfohlen, eine etwas unkonventionelle Anregung und ich bewundere natürlich auch Sergio Armotti, kenne ihn persönlich, habe von der Pike auf sein Handwerk gelernt hat. Wenn man etwas kritisieren könnte vielleicht in dieser... sich schon etwas anbahnenden Bilanz, möglicherweise. Aber er hat es gut gemeint. Er hat das auch aus einem patriotischen Akt getan, glaube ich. Sergio Armotti ist einer, der mit der Schweiz verbunden ist. Ich will es jetzt nicht verklären, auf das dann eben andere sich eingeladen fühlen könnten, entsprechend dagegen zu hämmern. Nein, aber er ist für mich ein patriotischer Schweizer, ein patriotischer Banquier. man sich da einen Gefallen getan hat, diese Diskussion um die Eigenmittelvorschriften so öffentlich auszutragen. Das ist ja jetzt der Konflikt, was sind da die Eigenkapitalrichtlinien, was entscheidet der Bund? Dass sich die Bank engagiert, ist richtig, aber vielleicht hätte man das etwas diskreter hinter den Kulissen tun können und nicht so offensiv, weil je nachdem, was der Bund entscheidet, stehst du als Verlierer da. Und das ist nicht die Situation, in die man sich hineinmanövrieren möchte. Ausserdem Wie sehen das denn die Kunden? Ich meine, ein Management steht immer auch etwas im Verdacht eines Interessenkonflikts. Die haben Aktien, die wollen natürlich, dass der Aktienkurs hoch ist und wenn das Eigenkapital zu hoch geschraubt wird, dann sinkt der Aktienkurs. Also da sind Interessenskonflikte im Raum. Ich sage nicht, dass sie ausschlaggebend sind, aber man muss natürlich vermeiden, dass so etwas entstehen kann. Das schlägt etwas auf die Glaubwürdigkeit. Impfdiktat in St. Gallen. Ja, die haben also wirklich nichts gelernt aus der Corona-Pandemie zum Glück. Es sind einige Medien jetzt auf den Barrikaden, dass man da also hohe Bussen verhängen will, wenn man sich nicht impft im Kanton St. Gallen. Das ist ein Vorstoss, das ist ein Plan, der die Staatsverdrossenheit natürlich massiv befördern wird. Und eben, man zeigt damit im Kanton St. Gallen, dass man aus der... Pandemie herzlich wenig gelernt. Vielleicht hat man es gelernt, aber man pfeift ganz bewusst darauf. Der Präsident der Schweizerischen Nationalbank Martin Schlegel und die EZB-Chefin Christine Lagarde stellen sich demonstrativ hinter ihren FED-Kollegen Jerome Powell. Ist es die Aufgabe eines schweizerischen Notenbankpräsidenten, sich in die innenpolitischen Kämpfe und Scharmützel der Vereinigten Staaten einzumischen, einfach damit man in der Community der Notenbänker gut dasteht. Nein, da muss man die Kraft haben zu schweigen. Schlichten statt richten, das ist die Pflicht, das ist der Auftrag für exponierte Behördenvertreter in der Schweiz. Streit um Grönland. Rubio und Vance treffen Dänemarks und Grönlands aussen. Minister am Mittwoch. Einfach zur Erinnerung: Vor allem die Schweizer NATO-Fans sollen sich das ganz genau anschauen, was jetzt in Grönland passiert. Unter Umständen stehen sich dort bald zwei NATO-Staaten auf dem Schlachtfeld gegenüber. Halte das für unrealistisch, aber theoretisch möglich wäre es. So abwegig ist es gar nicht. Die Dänen haben gesagt, wenn die Amerikaner kommen, sie sind ja schon dort, dann schiessen wir zurück. Und ausgerechnet jetzt streben da einige in Bern in die NATO. Blinder und dümmer geht's nicht. Trotz Gran Montana fordern Politiker Lockerungen bei Brandschutz und nehmen bewusst höhere Risiken in Kauf. Ja, noch einmal, es ist nicht eine Frage der Regeln. Meistens reagiert man auf seine Katastrophe, indem man auf primitivste Art und Weise die Regeln verschärft. Stumpfsinnig. Ja, müssen wir noch strengere Gesetze machen. Aber das Problem ist nicht, dass es die Gesetze nicht gegeben hätte. Sie sind einfach nicht angewendet worden. Man hat nicht gearbeitet. Bequemlichkeit, Faulenzerei, Nichtwahrnehmung der Verantwortung. Die Kontrollen haben versagt und der oberste Kontrolleur ist letztlich in einer Gemeinde der Gemeindepräsident. Der muss dafür sorgen, dass die Abläufe stimmen. Und da reicht es eben nicht ein paar E-Mails zu schicken oder dem Sicherheitschef zu sagen, du schau dann mal. Man muss eben sicherstellen, dass es passiert. Es gibt ja Anzeichen, dass in dieser Gemeinde das auch schon mal nicht funktioniert hat. Aber es ist ein bekannter Prozess, oder? Man sagt, ich habe ja ein Mail geschickt, ich habe ihn ja angerufen, ich habe es ihm ja gesagt, was kann ich dafür, dass er es nicht gemacht hat? Ja, das ist eben die Verantwortung, dass man sicherstellt, dass etwas passiert. Und wie man sieht, wenn etwas so Banales, eine idiotische Isolationsmatte, die da an die Decke irgendwo genagelt oder geleimt wurde, Wenn so etwas, aufgrund der Verkettung unglücklichster Umstände und eben entsprechender Fahrlässigkeiten, 40 Menschen sterben, dann sehen Sie, dass aus nichts oder aus fast nichts riesige Katastrophen kommen, wenn man eben nicht sich an die Gesetze und an die entsprechenden Kontrollpflichten hält. Das ist der entscheidende Punkt. Punkt. Marine Le Pen, da gibt es jetzt ein Berufungsverfahren in Frankreich. Ja, in der Schweiz sehen wir einfach, dass die Justiz in der EU, in Frankreich, auf Politiker losgeht. Oppositionspolitiker, unbequeme Politiker. Anstatt, dass man die widerlegt, sperrt man sie ein oder versucht sie vom politischen Wettbewerb auszuschliessen. Das ist ein Merkmal von Diktaturen. Nicht von Demokratien müssen wir in der Schweiz aufmerksam verfolgen, im Auge behalten. Ich danke Ihnen für die Aufmerksamkeit. Das war es vom Weltwoche Daily. Die andere Sicht unabhängig, kritisch, gut gelaunt, zuversichtlich sowieso. Ich wünsche Ihnen einen guten Tag.