In den Ermittlungen zum Flammeninferno in der Bar «Le Constellation» in Crans-Montana erschweren massive Lücken im Videomaterial die Rekonstruktion der tödlichen Silvesternacht. Wie Recherchen der NZZ offenbaren, soll die öffentliche Videoüberwachung von mehr als 250 Kameras in Crans-Montana gelöscht worden sein.
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In einem Brief an die Staatsanwaltschaft bestätigte Polizeikommandant Yves Sauvain, dass lediglich ein Zeitfenster von sechs Stunden – vom Neujahrstag zwischen Mitternacht und 6 Uhr morgens – durch die Kantonspolizei gesichert wurde. Alle weiteren Bilder, insbesondere vom 31. Dezember sowie vom restlichen Neujahrstag, seien nicht mehr verfügbar, schreibt die NZZ.
Das Verschwinden der Daten ist aus mehreren Gründen brisant: Das polizeiliche Reglement der Gemeinde sieht vor, dass Daten bei Ermittlungsbedarf länger als die übliche Woche aufbewahrt werden müssen. Zudem erlaubt der kantonale Datenschutzbeauftragte in Strafrecherche-Fällen eine Speicherung von bis zu hundert Tagen – eine Frist, die weit über die erfolgte Löschung hinausgeht.
Die Staatsanwaltschaft erkundigte sich laut dem Kommandanten erst am 15. Januar nach dem umfassenden Material – eine Woche nach der automatischen Löschung und trotz früherer Aufforderungen durch Opferangehörige.
Mysteriös gestalten sich die Vorgänge um die private Überwachung in der Bar selbst: Während Betreiber Jacques Moretti behauptete, das System sei drei Minuten vor Brandausbruch abgestürzt, widerspricht dem der Einsatzbericht der Kantonspolizei. Dieser stützt seine Chronologie explizit auf Zeitstempel der Barkameras, die Bestellungen von Alkoholika mit Feuerwerksfontänen zum Zeitpunkt des Brandausbruchs um 1.26 Uhr dokumentieren – also nach dem angeblichen Systemausfall.