Wer Dieter Bohlen sowieso scheisse findet, darf sich wieder mal darüber ärgern, wie er über alles und alle herzieht und natürlich alles scheisse findet: Deutschland sei vor die Hunde gegangen, künstliche Intelligenz verpennt, bei den Elektroautos abgehängt und bei der Steuerlast immer noch Weltmeister. Alles scheisse.
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Zwölfmal hat er kürzlich bei einem Talk bei Kerner «scheisse» gesagt, und sechsmal «geil».
Nun, in einer Zeit wo man fast nichts mehr sagen darf, ohne unter die Räder der Moralisten und Sprachdiktatorinnen zu geraten, ist es eine echte Wohltat, auf das lockere Maul von Bohlen zu hören, dessen Autobiografie etwas vom Köstlichsten war auf dem Gebiet der Verscheisserung von andern.
Modern Talking hiess seine Band, die ihm Millionen einbrachte, die er jetzt vor allem in Gold anlegt. Aus Scheisse Gold machen, das hat schon Sigmund Freud psychoanalytisch sondiert. Und der Goldesel, der Gold scheisst, ist ein altes Märchen, das zum deutschen Kulturgut gehört.
Was König Midas berührte, also auch Scheisse, wandelte sich sofort in Gold. Also: Warum sollen die Deutschen nicht ein Pendant haben zum «Fuck, fuck, fuck», das in US-Serien jedes kleine Mädchen sagt, wenn mal das Trottinette streikt?
Und die Franzosen haben doch das gute alte putain (Hure) das sowohl Überraschung (oh, putain), wie auch Ärger (dann sogar kombiniert mit Scheisse, als putain de merde) ausdrückt.
Und näher bei uns, das beliebte «Huere» der Innerschweizer, das ja auch zweischneidig entweder als huereguet oder als huerescheisse gebraucht werden kann. Die Hure kommt erstaunlicherweise bei den vulgären Kraftausdrücken der Deutschen nicht vor: Sind die Deutschen alle analfixiert? Und die Amis und die Franzosen genital? Freud, bitte helfen!
Schon als Jurymitglied bei «Deutschland sucht den Superstar» hat sich Bohlen hervorgetan mit Sprüchen wie «Wissen Sie, was der Unterschied ist zwischen einem Eimer Scheisse und eurer Stimme? Der Eimer.» und alle haben gelacht, nur der Kandidat nicht. Er wird auch 2026 nicht fehlen bei der Show. Die Deutschen lieben eben Bohlen. Und finden ihn nicht Scheisse. Er erklärt sowieso, man müsste den Kindern Werte beibringen, alles andere, der ganze Konsumkram sei eh Scheisse.
Wenn man alles hat, kann man so was schon sagen.