Bosch-Chef Stefan Hartung warnt vor einem massiven Stellenabbau, sollte das EU-weite Verbot für Verbrennungsmotoren nicht deutlich gelockert werden. Die geplanten Korrekturen reichten nicht aus, um den industriellen Kern Europas zu erhalten. «Das Ende des Verbrenner-Aus ist das nicht», sagte Hartung. In Deutschland hat Bosch bereits 6500 Stellen gestrichen, europaweit 11.000 – weltweit könnten weitere 13.000 folgen.
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Der Umstieg auf Elektromobilität führt laut Hartung zu weniger Jobs, da E-Autos einfacher aufgebaut sind und weniger Teile benötigen. Zwar bringe Elektromobilität Wachstum, aber nicht in gleichem Masse Arbeitsplätze. Der Bosch-Chef fordert daher Quoten für Biokraftstoffe und «E-Fuels», um Verbrenner klimafreundlich weiterbetreiben zu können.
Auch BMW und Mercedes sprechen sich für eine Kurskorrektur aus. Sie befürchten den Verlust von Know-how und Industriearbeitsplätzen in Europa. Eine Senkung der CO2-Ziele von 100 auf 90 Prozent, wie von der EU-Kommission vorgeschlagen, reiche nicht aus. Davon profitierten vor allem Nischenhersteller, nicht der Massenmarkt.
Zugleich warnt Hartung vor überzogener Industriepolitik. Handelskonflikte und Abschottung könnten Europas Wettbewerbsfähigkeit schwächen. «Geopolitische Spannungen und Handelsabschottung sind ein Nachteil für die ganze Welt», sagte er mit Blick auf Importregelungen aus China und den USA.
Bosch selbst steckt in einer Umbruchphase. Der operative Gewinn ist eingebrochen, Werke werden geschlossen, auch mit betriebsbedingten Kündigungen. Hartung sieht aber Wachstumschancen in den Sparten Klimatechnik, E-LKW und beim automatisierten Fahren. Deutschland habe Potenzial – wenn Politik und Industrie an einem Strang zögen.