252.000 Franken: Das ist der künftige Jahreslohn des neuen Zürcher SP-Stadtrats Tobias Langenegger. Damit liesse sich eine Wohnung selbst zu Zürcher Marktpreisen problemlos stemmen.
Aber Langenegger will in seiner günstigen Genossenschaftswohnung bleiben. Die NZZ kritisierte das, weil der SP-Politiker die Wohnungsnot in der Stadt zum zentralen Wahlkampfthema gemacht hatte.
Das Onlineportal Tsüri.ch hält nun dagegen und verteidigt den neuen Stadtrat. Nur weil Langenegger «für progressive Werte» einstehe, müsse er nicht «in Askese und Armut leben».
Walter Bieri/Keystone
Im Gegenteil: Es sei richtig, wenn er in der Genossenschaftswohnung bleibe, denn es wäre laut Tsüri.ch absurd, wenn er in Zukunft «mit seiner Miete die Renditeziele von Grosskonzernen wie der Swiss Life oder UBS unterstützen würde».
Die meisten Leser scheinen das anders zu sehen, wie man in den Kommentaren sieht. «Wer ständig Solidarität predigt, sollte sie auch leben, wenn es unbequem wird», schreibt einer.
Ein anderer meint: «Langenegger darf also von anderen verlangen, auf Geld zu verzichten, und muss dann dafür selber nicht auf Geld verzichten, weil er ja ein Guter ist, der von anderen verlangt, auf Geld zu verzichten? Die Logik erschliesst sich mir nicht.»
Und weiter: «Er hätte hier jetzt ganz konkret die Möglichkeit, etwas dafür zu tun, dass eine andere Familie, die es nötiger hat als seine, eine günstige Wohnung erhält.»
Darüber hinaus hätte Tsüri.ch auch etwas weniger tief in die Drama-Kiste greifen können. Dass es gleichbedeutend mit «Armut und Askese» wäre, wenn Tobias Langenegger eine für die Stadt Zürich typische Miete bezahlen müsste, ist nicht anzunehmen. Von der Viertelmillion Gehalt würde auch dann noch einiges übrigbleiben.