Aussenminister Johann Wadephul schliesst eine militärische Evakuierung von Deutschen aus der Golfregion wegen des Iran-Konflikts aus. Er sagte der Bild-Zeitung: «Das werden wir nicht machen können, denn die Lufträume sind insgesamt geschlossen.»
Nach Angaben des Deutschen Reiseverbands halten sich rund 30.000 Reisende mit deutschen Veranstaltern in der Region auf oder sind von Flugausfällen über die dortigen Drehkreuze betroffen. Wadephul erklärte zudem, wann eine Ausreise wieder möglich sei, sei «derzeit nicht absehbar». Die Bundesregierung setze stattdessen auf konsularische Unterstützung und Information. «Alle Botschaften, alle Auslandsvertretungen sind geöffnet. Wir arbeiten intensiv daran, mit Informationen da zu sein», so der Minister weiter.
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Kritik kommt von den Grünen. Die aussenpolitische Sprecherin der Fraktion, Deborah Düring, sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland: «Johann Wadephul kapituliert vor der eigenen Verantwortung.» Während Grossbritannien konkrete Evakuierungen vorbereite, erkläre die Bundesregierung, man könne nichts tun. «Wer bei einer Eskalation dieser Grössenordnung keine Notfallpläne umsetzt, hat entweder nicht vorgesorgt oder den Ernst der Lage nicht begriffen. Beides ist fatal», so Düring.
Währenddessen entsendet Tschechien nach Regierungsangaben zwei Militärflugzeuge nach Scharm el-Scheich und Amman, um eigene Staatsbürger in Sicherheit zu bringen. Auch Grossbritannien prüft staatlich organisierte Evakuierungen und hat Eingreiftruppen in die Region verlegt. Wadephul betonte in der ARD-Sendung «Caren Miosga», das Auswärtige Amt tue, «was wir machen können». Zugleich warnte er: «Wir alle müssen uns darauf einstellen, dass dieser Konflikt länger dauert.» Auf die Frage, ob Deutschland mit Anschlägen rechnen müsse, sagte Wadephul zu Bild: «Niemand kann in so einer Situation hundertprozentige Sicherheit garantieren.» Die Behörden würden die Lage aufmerksam beobachten.