Die EU-Aussenbeauftragte Kaja Kallas hat die amerikanischen Dekadenz-Vorwürfe an der Münchner Sicherheitskonferenz vehement zurückgewiesen. In ihrer Rede reagierte Kallas auf die jüngste US-Sicherheitsstrategie und Äusserungen von Aussenminister Marco Rubio, wonach dem Kontinent aufgrund von Migration, sinkenden Geburtenraten und einer «woken Politik» die «zivilisatorische Auslöschung» drohe. «Im Gegensatz zu dem, was manche sagen mögen: Das woke, dekadente Europa steht nicht vor der Auslöschung seiner Zivilisation», konterte Kallas.
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Die ehemalige estnische Regierungschefin verwies auf die ungebrochene Attraktivität des europäischen Modells. Menschen weltweit wollten nach wie vor «unserem Klub beitreten», so Kallas. Süffisant merkte sie an, dass sogar in Kanada grosses Interesse an einer EU-Mitgliedschaft bestehe.
Während Washington der EU eine Unterdrückung der Opposition vorwirft, erinnerte Kallas daran, dass ihr Heimatland Estland auf Platz zwei des Pressefreiheitsindex rangiere – weit vor den USA auf Platz 58. Europa verteidige Menschenrechte und Wohlstand, was die Menschheit insgesamt voranbringe, statt sie in den Untergang zu führen.
Marco Rubio hatte zuvor in München zwar leisere Töne angeschlagen als Vizepräsident J. D. Vance im Vorjahr, liess aber keinen Zweifel daran, dass Washington die transatlantische Allianz nach seinen Vorstellungen umbauen will. Er bezeichnete die USA als «Kind Europas», forderte die Verbündeten jedoch auf, den Status quo der «Selbstgefälligkeit» zu beenden.