Seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine im Februar 2022 verabschiedet die EU ein Sanktionspaket gegen Moskau nach dem anderen. Inzwischen ist Nummer siebzehn über die Bühne gegangen, aber niemand behauptet ernsthaft, dass Russland wirtschaftlich in die Knie gezwungen würde und sich deswegen an den Verhandlungstisch bewege. Die Sanktionen schieben nicht wirklich an, was sich die EU von ihnen erhofft.
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Jetzt hilft Donald Trump nach und droht den Handelspartnern Moskaus sowie dem russischen Präsidenten Wladimir Putin mit Sippenhaft: Wer weiter mit Russland Handel betreibe, müsse mit Strafzöllen von 100 Prozent auf seine Exporte in die USA rechnen. «Sekundäre Zölle» ist der vornehmere Ausdruck für diese Sippenhaft, und das Gesetz dazu gibt es praktischerweise schon: «Trading with the Enemy» heisst es. Der Iran hat es bereits zu spüren bekommen.
Mehr als ein Dutzend Länder könnten betroffen sein. China und Indien sind die grössten Importeure von russischem Öl. Dubai ist ein sicherer Hafen für russisches Kapital und russische Oligarchen. Brasilien ist der grösste Abnehmer russischer Düngemittelprodukte. Es sind die Mächtigen dieser Erde, die sich jetzt überlegen müssen, ob sie es sich lieber mit Trump oder mit Putin verderben wollen. Das Spiel ist riskant, aber es könnte aufgehen.
Die USA sind jedenfalls in aller Regel nicht die Leidtragenden. Im Gegenteil: Entgegen allen Unkenrufen zeigt sich die US-Wirtschaft auch angesichts der Zollpolitik ihres Präsidenten robust. Die Zölle belasten zwar Verbraucher und Unternehmen, bringen der US-Regierung aber auch enorme Zusatzeinnahmen: Mehr als hundert Milliarden Dollar im laufenden Haushaltsjahr – ein Plus von 86 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum im Vorjahr – verbucht Trump auf der Habenseite, weswegen er weiter die Rolle spielt, die der EU nicht gelingt, die Trump aber auf den Leib geschnitten ist: die des gnadenlosen Dealers.