Unions-Fraktionschef Jens Spahn warnt vor einer neuen Bedrohungslage durch Russland – und bringt erstmals einen deutschen Zugriff auf Atomwaffen ins Spiel. «Europa muss abschreckungsfähig werden», sagte der CDU-Politiker der Welt am Sonntag. Zwar lagern US-Atombomben auf deutschem Boden, doch das reicht Spahn nicht: Er fordert die Beteiligung an französischen und britischen Nuklearwaffen – oder einen eigenen europäischen Atomschirm.
CHRISTOPH SOEDER / KEYSTONE
Das Thema ist heikel, doch Spahn will die Debatte eröffnen. «Wer nicht nuklear abschrecken kann, wird zum Spielball der Weltpolitik», warnte der ehemalige Gesundheitsminister. Denkbar sei auch eine rotierende Verantwortung nach Zufallsprinzip, damit Feinde nie wüssten, wer «den Knopf» habe.
Kritik richtet Spahn auch an die Nato-Partner, insbesondere Spanien, das sich weigere, die vereinbarten 5 Prozent des BIP für Verteidigung aufzubringen. «Wer Schutz will, muss ihn auch finanzieren», so Spahn. Deutschland müsse bereit sein, «jeden Quadratmeter Litauens» zu verteidigen. Zudem verlangt er ein konsequentes Vorgehen gegen das iranische Atomprogramm.