Da kann einem schon Hören und Sehen vergehen: Der Bitcoin schiesst steil nach oben. Aktuell kostet einer davon 117.768 Dollar. In den letzten 24 Stunden ist der Kurs um 6,1 Prozent gestiegen – und das nicht etwa von ganz unten, sondern von einem Niveau aus, das auch schon einen Rekord markierte. Anleger sind in Feierlaune, weil Trumps Zollstreitereien langsam, aber sicher zu einem friedlichen Ende führen. Das treibt die Börsen. Die Leitindizes steigen überall: DAX, Euro Stoxx, Nasdaq. Der Bitcoin macht da keine Ausnahme.
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Da er allerdings in Dollar gemessen wird und der Dollar gerade einen Schwächeanfall hat, profitieren zum Beispiel europäische Anleger bisher nur sehr milde von den neuen Höchstständen.
Damit nicht genug. Denn während Aktienkurse noch einen halbwegs reellen Hintergrund haben, schwebt die Kryptowährung im Luftreich der Gedanken. Da gibt es Träume und Albträume. Enorme Wertanstiege, tiefe Einbrüche: In den vergangenen sechs Jahren stieg der Bitcoin von 6200 auf seine jetzt rund 118.000 Dollar – ein Zuwachs um mehr als das Neunzehnfache. Doch noch im Frühjahr stürzte sein Preis in wenigen Wochen ab, um rund ein Drittel auf 75.000 Dollar. Analysten, oder die, die sich so nennen, erwarten aber dennoch, dass der Bitcoin deutlich zulegt.
Dass sie dabei mit geschlossenen Augen durch eine Traumwelt tappen, beweist die Unterschiedlichkeit ihrer Prognosen: Sie reichen absurd weit auseinander von knapp 150.000 bis zu schwindelerregenden 28 Millionen US-Dollar innerhalb dieses Jahrzehnts. Genauer in dieses Krypto-Luftreich hineinleuchten wollen die Staaten, die unter dem Vorwand, ihre Bürger vorm Geldverlieren schützen zu wollen, Eingriffe in Angriff nehmen.
Ganz oben auf ihrer Ideenliste steht dabei, wie sollte es anders sein, eine heftige Besteuerung der Gewinne, die Bitcoin-Anleger erzielen können. Das wäre dann ruckzuck ein Dolchstoss für die Kryptowährung.
Wie es weitergeht?
Dazu liefern gerade die eher als konservativ und vorsichtig beleumundeten deutschen Sparkassen ein Beispiel. Sie bieten seit neuestem ihren Kunden den Bitcoin-Handel an. Dabei machen sie klar: «Das Produkt bleibt ein beratungsfreies Angebot» innerhalb der Sparkassen-Finanzgruppe. Wer «beratungsfrei» mit «ratlos» übersetzt, kommt der Haltung der Profis gegenüber dieser Anlageklasse derzeit ziemlich nah.