Manchmal kann die grosse Politik richtig putzig sein. Dann reden Politiker wie kleine Kinder, die ernsthaft Wichtiges verkünden.
So wie Andrius Kubilius. Der Litauer schlüpfte bei Ursula von der Leyen unter als Kommissar für Verteidigung und Raumfahrt. Zwei Bereiche, in denen die EU bisher nicht sonderlich reüssiert hat.
Das Amt scheint Kubilius zu Kopf zu steigen, denn er forderte eine europäische Armee. Sie soll eingreifen, wenn die Amerikaner weg sind.
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Wie niedlich. Die letzten europäischen Armeen zogen im Zeichen des Kreuzes ins Heilige Land. Wir wissen, wie das endete.
Die Probleme von damals gäbe es auch heute. Wer soll die Armee anführen? Ein Deutscher? Ein Franzose? Ein Litauer? Was wäre Befehlssprache? Die Kreuzritter konnten auf Latein zurückgreifen. Woher kämen Waffen? Aus deutsch-französischer Gemeinschaftsproduktion?
Wie lachhaft Kubilius’ Vorschlag ist, zeigt allein der Blick auf eine Teilstreitmacht, die Marine. Sechs Staaten teilen sich die Nordseeküste von Calais bis Oslo. Sechs Flotten, sechs Mal Admiräle, sechs Mal Karrieren in der christlichen Seefahrt. Seit Jahrzehnten gibt es Vorschläge, die sechs zusammenzulegen. Aber welcher Admiral verzichtet als Erster? Der belgische? Der dänische?
Kubilius ist ja nicht allein. Sein Manko teilt er mit vielen. Nicht erst sprechen und dann denken. Umgekehrt.