Ein geheimes Friedensabkommen zwischen Moskau und Washington sorgt für Aufsehen – und Empörung. Wie der renommierte US-Historiker Timothy Snyder in einem Beitrag vom 25. November berichtet, verhandeln Vertreter von Donald Trump und Wladimir Putin offenbar über eine 28-Punkte-Vereinbarung zur Beendigung des Ukraine-Kriegs. Das Papier wurde angeblich von Steve Witkoff, einem US-Immobilienmilliardär mit Nähe zu Trump, und Kirill Dmitrijew, Chef des russischen Staatsfonds, entworfen.
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Der Plan sieht, meint Snyder in einem Gastbeitrag für die Zeitung Ukrajinska Prawda, eine weitreichende Kapitulation Kiews vor – zugunsten Moskaus. Trump habe sogar ein Ultimatum gestellt: Kiew hätte bis zum 27. November zustimmen sollen. «Doch es ist kein Frieden, sondern ein Rezept für den nächsten Krieg», warnt der Osteuropa-Experte. Snyder kritisiert das Vorhaben als gefährlich, weil es nicht nur das Völkerrecht aushöhle, sondern auch Atomwaffen als Mittel politischer Erpressung aufwerte.
Er listet sechs fundamentale Probleme auf: Erstens könnte das Signal, dass nukleare Erpressung zum Erfolg führt, zu globaler Aufrüstung führen. Zweitens untergrabe der Plan die Unverletzlichkeit internationaler Grenzen. Drittens werde ein geschwächtes, nicht verteidigungsfähiges Kiew Moskau zu weiteren Angriffen animieren. Viertens enthalte das Abkommen keine glaubwürdigen Sicherheitsgarantien. Fünftens blende es den Wiederaufbau der Ukraine vollständig aus. Und sechstens seien die eigentlichen Betroffenen – nämlich die Ukrainer – gar nicht beteiligt worden.
Snyder zieht eine düstere Bilanz: Das Abkommen sei offenbar ohne Mitwirkung der Ukraine oder europäischer Verbündeter entworfen worden. Es lese sich, so der Historiker, «als ob es von den Russen diktiert und von den Amerikanern ins Englische übersetzt worden sei». Sollte es umgesetzt werden, drohten neue Kriege – nicht Frieden. Trumps angeblicher Traum vom Friedensnobelpreis könnte, so Snyder, zu einer weltpolitischen Katastrophe führen.