Ein schwuler Lehrer an einer Berliner Grundschule wird seit Jahren von Schülern und Eltern wegen seiner sexuellen Orientierung gemobbt und bedroht – ohne nennenswerte Unterstützung durch die Schulleitung. Das berichtet die Süddeutsche Zeitung.
Oziel Inácio-Stech, Lehrer an der Carl-Bolle-Grundschule in Moabit, hatte sich vor fünf Jahren entschlossen, seinen Schülern offen mitzuteilen, dass er mit einem Mann verheiratet ist. Seither sei nichts mehr wie zuvor, schreibt die SZ. Immer wieder sei er von muslimisch geprägten Schülern und Eltern beschimpft worden – als «Familienschande», «ekelhaft» oder «kein Mann». In einem Fall rief ein Schüler: «Der Islam ist hier der Chef.»
Lehrer Oziel Inácio-Stech in der SZ; KEYSTONE/DPA/Z5812/_Sebastian Willnow.
Trotz dieser Vorfälle blieb eine klare Reaktion der Schulleitung aus. Stattdessen wurde Inácio-Stech selbst ins Visier genommen. Nach einer anonymen Anzeige aus der Elternschaft wurde ihm Fürsorgepflichtverletzung vorgeworfen – das Verfahren wurde eingestellt. Rehabilitiert wurde er dennoch nicht. Ein Schulaufsichtsbeamter belehrte ihn schriftlich, er müsse «körperliche und emotionale Distanz» wahren.
Inácio-Stech leidet inzwischen unter einer posttraumatischen Belastungsstörung und ist krankgeschrieben, berichtet die Süddeutsche. Kolleginnen und Kollegen bescheinigen ihm Geduld, Professionalität und pädagogisches Geschick. Einige bestätigen, dass der Druck an der Schule hoch sei – der Einfluss konservativ-islamischer Milieus wachse. Kleidungsvorschriften durch Eltern und antisemitische Vorfälle seien keine Einzelfälle mehr.
Inácio-Stech wolle dennoch zurückkehren. Ziel: Kindern aus schwierigen Verhältnissen eine andere Welt zeigen.