Die ältere Generation kennt sie noch, die Schweizer Jugendzeitschrift Musenalp-Express, die rund fünfzehn Jahre lang bis 1990 erschien. Das Konzept des kostenlosen Magazins: Jeder durfte mitmachen.
Die junge Leserschaft schrieb fleissig Gedichte und Kurzgeschichten, schickte Tagebucheinträge oder fotografierte einen Regenbogen. Es durfte auch gern holprig geschrieben oder verwackelt sein. Hauptsache, es berührte das Herz.
Sören Stache/DPA/Keystone
Das Onlinemagazin Republik, 2018 lanciert, um den Journalismus und damit gleich auch die Demokratie zu retten, scheint das Konzept wiederbeleben zu wollen. Im Zug ihrer Klimawandel-Offensive setzt die Redaktion auf rührige Sinnsprüche von anderweitig prominenten Hobbydichtern.
Im neuesten Newsletter «Challenge accepted» aus dem sogenannten Klimalabor der Republik ist die Reihe an Luisa Neubauer, Klimaaktivistin und eine Art deutsche Version von Greta Thunberg.
Brav erfüllt sie die Auflage der Redaktion, den Satz «Ich wünschte mir, 2026 würden mehr Menschen …» zu Ende zu formulieren. Das Resultat hat echte Musenalp-Qualität.
«Ich wünschte mir … 2026 würden mehr Menschen den Vögeln zuhören, dem Wind in den Bäumen», dichtet Neubauer für die Leserschaft der Republik vor sich hin.
Jahreszeitbedingt sind viele Vögel in der Tat allmählich zurück aus dem Süden. Je nach Wohnlage bleibt einem frühmorgens gar nichts anderes übrig, als ihnen zuzuhören, wenn sie ihre Streitigkeiten direkt vor dem Fenster austragen. Man muss einfach hoffen, dass sie dann und wann eine Pause einlegen, damit sich die Gelegenheit ergibt, auch noch den Wind zu vernehmen, aber wenn sich das Klima neuerdings auf diese Weise retten lässt statt über Verbote, Einschränkungen und Technologie-Feindlichkeit, kann man diese täglichen fünf Minuten sicherlich investieren.