Die Erbschaftsteuer wird gern als moralische Reparaturwerkstatt verkauft. Da stirbt jemand, und schon steht der Staat mit dem Klemmbrett bereit: Ist es wirklich gerecht, wenn jemand so viel erbt? Gibt es nicht andere, die das nötiger haben? Der Staat zum Beispiel? So sieht Neid im Behördenkostüm aus. Dabei geht es beim Erben um etwas ganz anderes als um Geld. Es geht um Kontinuität.
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Familienunternehmen denken nicht in Quartalszahlen und Wahlperioden. Sie denken in Generationen. In Werkhallen, die nicht morgen, sondern in dreissig Jahren noch stehen sollen. In Lehrstellen, die auch dann noch vergeben werden, wenn der Konjunkturwind ins Gesicht bläst. Erben ist für sie kein Gewinn in der Spermienlotterie, sondern eine Übergabe von Verantwortung – wie ein Staffelstab ans nächste Team und nicht wie ein Goldbarren auf dem Banktresen.
Wer das Erben misstrauisch beäugt, misstraut dieser Logik. Er unterstellt, dass Vermögen per se faul macht, dass Leistung mit dem Tod endet. Das ist falsch. Gerade im Mittelstand wird Vermögen bewahrt, nicht verprasst. Es wird zusammengehalten, damit es tragen kann: Arbeitsplätze, Regionen, Wissen.
Die Freunde der Erbschaftsteuer argumentieren mit «Leistungsgerechtigkeit» und «Chancengleichheit». Klingt gut, bleibt flach. Denn eine Steuer, die Unternehmen zur Zerschlagung oder zum Notverkauf zwingt, schafft keine Chancen, sie zerstört sie. Sie belohnt den schnellen Exit und bestraft das Bleiben. Nachhaltig ist daran gar nichts.
Eine Gesellschaft dagegen, die Erben nicht wie Verdächtige behandelt, erbaut sich ein stabiles Fundament. Sie erkennt an, dass Beständigkeit dort entsteht, wo jemand etwas weiterträgt – nicht dort, wo alles jedes Mal neu verteilt wird. Der Staat sollte Hüter dieser Regeln sein und nicht der grösste Miterbe. Denn wo der Fiskus erbt, stirbt oft mehr als nur ein Unternehmer: Es stirbt die Zukunft.