Happige Vorwürfe vom Bund an die Adresse von Aline Trede. Das Berner Blatt aus dem Tamedia-Verlag bezichtigt die Grüne-Kandidatin für die Kantonsregierung, die Berner Wähler zu täuschen.
Konkret geht es um einen Instagram-Post von Trede, bei dem sie in einer farblich sowie grafisch ähnlichen Aufmachung wie die Bund-Beiträge einen Artikel bewirbt, der jedoch von der Umweltorganisation WWF Schweiz zugunsten von Trede verfasst wurde.
Der Bund sieht sich gezwungen, festzuhalten, dass der entsprechende Beitrag weder beim Bund noch bei der Berner Zeitung, dem zweiten Tamedia-Titel auf dem Platz Bern, erschienen sei. Zudem wird Martin Steiger, ein Anwalt für Recht im digitalen Raum, nach einer Einschätzung gefragt, die klarer nicht ausfallen könnte.
«Nationalrätin Trede verwischt mit ihrem Instagram-Beitrag die wichtige Grenze zwischen politischer Werbung und unabhängigem Journalismus», sagt Steiger. Der Satz tönt wie eine Definition, die man sonst für die Beschreibung russischer Desinformationsmanöver und Beeinflussungsaktivitäten verwendet.
Trede leihe sich durch die seriöse Ästhetik des Berner Medienbrands die «Vertrauenswürdigkeit» der Bund-Redaktion aus, sagt Steiger weiter. Trede wisse, dass ein WWF-Beitrag beim breiten Publikum nicht das gleiche Vertrauen geniesse.
Der Anwalt geht zudem davon aus, dass Trede mutmasslich im Wissen handelte, «dass bei den meisten Nutzern der visuelle Eindruck und die Schlagzeilen prägend sind». Vornehm ausgedrückt, sagt hier ein Rechtsexperte: Aline Trede führt in die Irre, vermittelt einen falschen Eindruck, täuscht, fälscht. Die Grüne-Kandidatin für die Berner Kantonsregierung desinformiert die Wähler.
Trede selbst sagt gegenüber dem Bund, es sei nicht ihre Absicht gewesen, einen Bund-Artikel zu imitieren. Es handle sich um ein Versehen des Sekretariats des Grünen Bündnisses, das den Post verfasst habe. Man werde dafür sorgen, dass die Vorlagen für die Insta-Posts sich in Zukunft deutlich vom Bund-Layout unterscheiden, um «Missverständnisse» zu vermeiden.